marktbericht
Der Chemiekonzern BASF stellt sich ein weiteres schwieriges Jahr ein und verschärft sein Sparprogramm. Das kommt bei Anlegern nicht gut an, die Aktie gehört zu den Schlusslichtern im DAX.
Schwierige Zeiten für die Chemiebranche, die sich auch in den Zahlen des DAX-Konzerns BASF widerspiegeln. „2026 wird voraussichtlich ein weiteres Übergangsjahr, in dem unsere Industrie mit deutlichem Gegenwind rechnen muss“, sagte Vorstandschef Markus Kamieth heute bei der Vorstellung der Bilanz in Ludwigshafen.
Für das laufende Jahr erwartet der Manager einen bereinigten Betriebsgewinn (Ebitda) zwischen 6,2 und 7,0 Milliarden Euro. Analysten hatten im Schnitt mit einem Ergebnis am oberen Ende der Spanne gerechnet. Dieser Ausblick habe die Investoren wohl eher enttäuscht, auch wenn die Ludwigshafener für gewöhnlich konservativ prognostizierten, sagte ein Händler. Die Aktien gehörten zu den schwächsten Werten im DAX, fielen zwischenzeitlich um mehr als drei Prozent.
Dividende bleibt unverändert
Für das abgelaufene Geschäftsjahr 2025 hatte BASF schon im Januar vorläufige Zahlen vorgelegt und dabei seine eigene Prognose verfehlt. Diese Zahlen wurden heute bestätigt: 2025 sank das bereinigte operative Ergebnis im Vergleich zum Vorjahr um 686 Millionen Euro auf 6,6 Milliarden Euro, der Umsatz schrumpfte um knapp drei Prozent im Jahresvergleich auf knapp 59,7 Milliarden.
Unter dem Strich stieg der auf die Aktionäre entfallende Gewinn von 1,3 Milliarden auf 1,6 Milliarden Euro. Dazu trugen zwei Sondereffekte bei: unter anderem der Verkauf des Geschäfts mit Bautenanstrichmittel an den US-Konzern Sherwin-Williams, außerdem Sondererträge im Zusammenhang mit Erstattungen aus Bundesgarantien für die bei Wintershall Dea in Russland enteigneten Vermögenswerte. Die Dividende für die Aktionäre soll unverändert bei 2,25 Euro je Anteil liegen.
Chemiebranche steht unter Druck
Eine schnelle Besserung ist Kamieth zufolge erstmal nicht in Sicht. „Aus heutiger Sicht rechnen wir kurzfristig weder mit einer nennenswerten Markterholung noch mit einer deutlichen Entspannung der geopolitischen Lage“, erklärte er. Erst später im Jahr und vor allem 2027 dürfte sich das globale Marktumfeld laut Kamieth entspannen.
Die gesamte Chemiebranche leidet unter einer der schwersten Krisen seit Jahrzehnten. Als Gründe gelten eine schwache Nachfrage, hohe Energiepreise, Überkapazitäten und zunehmende Konkurrenz aus China. Der Start ins erste Quartal hat sich laut Kamieth wie erwartet „herausfordernd gestaltet“. Während sich die Mengen in China im Januar wegen des Neujahrsfestes dort sehr positiv entwickelt hätten, sei die Nachfrage in den übrigen Regionen schwach gewesen.
Neuer Standort in China
Um die Nachfrage aus China bedienen zu können, hat BASF jüngst einen neuen Verbundstandort im südchinesischen Zhanjiang, der mit Investitionen von 8,7 Milliarden Euro gebaut wurde, in Betrieb genommen wurde. Auch hier rechnet Kamieth mit Anlaufzeit: Im ersten Betriebsjahr werde ein leicht negativer Ergebnisbeitrag erwartet. Ab 2027 werde dann mit einem positiven Beitrag gerechnet. Rund 1.000 Menschen wurden laut BASF an dem neuen Standort in China eingestellt.
Während in China der Aufbau des milliardenschweren Verbundstandorts vorangetrieben wird, steht das Stammwerk in Ludwigshafen wegen einer zu geringen Auslastung unter Druck. Dort arbeitet mit rund 33.000 Menschen etwa ein Drittel der weltweiten Beschäftigten. BASF hat bereits mehrere Sparprogramme aufgelegt, so sorgten etwa die jüngst angekündigten Pläne zum Verkauf von Tausenden Werkswohnungen für Kritik.
2,3 Milliarden Euro Kosteneinsparungen
Insgesamt peilt BASF bis Ende des laufenden Jahres wegen der mauen Aussichten nun jährliche Kosteneinsparungen von 2,3 Milliarden Euro an – ursprünglich war von 2,1 Milliarden Euro die Rede. Bis Ende vergangenen Jahres sei eine jährliche Kostensenkung von rund 1,7 Milliarden Euro erreicht worden, berichtete Finanzvorstand Dirk Elvermann in Ludwigshafen. Das avisierte Ziel werde damit um 100 Millionen Euro übertroffen.
Als Teil seiner Sparprogramme baut der weltgrößte Chemiekonzern Tausende Jobs ab: Rund 4.800 Beschäftigte hätten das Unternehmen zwischen Dezember 2023 und Dezember 2025 verlassen, teilte der Manager mit. Etwa die Hälfte davon entfallen laut BASF auf Deutschland. Die Zahl der Führungskräfte sei um elf Prozent gesunken. Ende 2025 beschäftigte BASF damit noch knapp 108.300 Mitarbeiter weltweit.
Zudem werden die Investitionen deutlich gekappt. Elvermann zufolge sollen die Sachinvestitionen in den Jahren 2026 bis 2029 auf insgesamt 13 Milliarden Euro begrenzt werden. Verglichen mit der Planung für den Zeitraum 2024 bis 2027 sei dies eine Reduzierung um mehr als 30 Prozent.
DAX steuert auf starke Monatsbilanz zu
Am deutschen Aktienmarkt haben sich die Anleger heute insgesamt eher vorsichtig gezeigt. Der Leitindex DAX kam nur schwer voran und notierte gegen Mittag mit 25.305 Punkten leicht im Plus. Damit blieb das Börsenbarometer über der viel beachteten 25.000-Punkte-Marke, die es im Wochenverlauf zurückerobert hatte.
Auf Wochensicht deutet sich für den DAX ein kleines Plus an. Die Bilanz für den Monat Februar weist aktuell einen Gewinn von gut drei Prozent aus. Damit könne der Leitindex eine ordentliche Wertentwicklung vorweisen, schrieb Andreas Lipkow, Chef-Marktanalyst des Handelshauses CMC Markets. In Anbetracht der vielen Störfaktoren und der weiterhin heiklen Situation zwischen dem Iran und den USA sei das aktuelle Monatsplus mehr als sehenswert.
Source: tagesschau.de