marktbericht
Wer gehofft hatte, die Anleger würden angesichts der Eskalation im Nahen Osten ruhig bleiben, dürfte enttäuscht sein: Der DAX setzt seine Talfahrt fort. Die Risiken für die Finanzmärkte sind einfach zu hoch.
Der DAX sinkt im frühen Handel um 2,8 Prozent auf 23.930 Punkte. Bereits zum Wochenstart war der deutsche Leitindex mit einem Minus von 2,4 Prozent auf 24.672 Punkten aus dem Handel gegangen.
Anlegerinnen und Anleger würden in großem Stil aus Aktien flüchten, um Gewinne zu sichern, bevor diese im Sog des Krieges im Nahen Osten komplett dahinschmelzen, schreiben die Fachleute des Brokers ActivTrades.
„Zu festgefahren scheint die militärische Situation, und es wird vermutlich noch einige Handelstage dauern, bis sich der Pulverdampf soweit lichtet, dass trotz des Krieges wieder ein gewisser Börsenalltag einkehren kann.“
„Die militärische Eskalation im Nahen Osten erhöht die Risiken für die Weltwirtschaft und die Finanzmärkte erheblich“, kommentieren die Expertinnen und Experten der NordLB: „Je länger die Interventionen anhalten und je weiter sich die Angriffe auf andere Länder in der Region ausweiten, desto höher ist das Risiko, um von einem echten, belastenden Ereignis für die Kapitalmärkte auszugehen“, so die NordLB-Experten.
„Neben der zunehmenden geopolitischen Instabilität im Nahen Osten sorgt besonders die Entwicklung der Energiepreise, vor allem des Ölpreises, für Verunsicherung unter Investoren, heißt es von Enguerrand Artaz, Kapitalmarktstratege bei LFDE.
Die Reaktion der Märkte entspreche bislang dem typischen Muster geopolitischer Krisen mit dem Risiko eines Rohstoff-Versorgungsschocks: fallende Aktienkurse, ein moderater Anstieg des US-Dollars, steigende Edelmetallpreise sowie höhere Preise für die direkt betroffenen Rohstoffe, in diesem Fall Öl und Gas, stellt Artaz fest.
Die Ölpreise legen weiter zu. Ein Vertreter der iranischen Revolutionsgarden hatte gestern erklärt, die Straße von Hormus sei für den Schiffsverkehr gesperrt und das Land werde auf jedes Schiff feuern, das versuche die Meerenge zu passieren. Versicherer haben ihre Deckung für Schiffe in der Region gestrichen. Saudi-Arabien musste nach einem Drohnenangriff seine größte Raffinerie schließen.
Viele Expertinnen und Experten hatten Preise von um die 100 Dollar pro Barrel Öl prognostiziert. Davon sind die Notierungen derzeit noch entfernt, aber die Auswirkungen sind gleichwohl schon gravierend. Die Nordsee-Sorte Brent und US-Leichtöl WTI legen kräftig zu. Die Investmentbank Bernstein hob ihre Brent-Prognose für 2026 von 65 auf 80 Dollar an und sieht im Extremfall eines längeren Konflikts sogar Preise von 120 bis 150 Dollar.
Steigende Energiepreise dürften die Inflation treiben und die Zentralbanken vor neue Herausforderungen stellen, heißt es in einer aktuellen Analyse von Experten bei Edmonde de Rothschild Asset Management. Besonders die US-Notenbank Federal Reserve (Fed) starte unter diesen Bedingungen in ein ausgesprochen schwieriges Jahr 2026, stellen die Fachleute fest.
Ein längerer Krieg im Nahen Osten könne nach Ansicht von EZB-Chefvolkswirt Philip Lane die Inflation in der Euro-Zone anheizen und die Wirtschaft ausbremsen. „Ein Anstieg der Energiepreise übt tendenziell Inflationsdruck aus, insbesondere kurzfristig“, sagte Lane der Financial Times. Das könne sich auch negativ auf die Konjunktur auswirken.
Es sei fraglich, ob die EZB auf diesen externen Schock mit einer Zinserhöhung reagieren werde, denn die konjunkturellen Risiken nähmen wegen Störungen der Lieferketten auch abseitig der Energie zu, heißt es im Tageskommentar der Helaba.
In Asien fallen die Kursverluste ebenfalls heftig aus: Der südkoreanische Leitindex Kospi ist heute nach der Ausweitung des Konflikts im Nahen Osten um mehr als sieben Prozent eingebrochen. Es war der stärkste Kursrückgang seit mehr als zwei Jahren. Anleger befürchten, dass ein andauernd hoher Rohölpreis die stark von der Halbleiterbranche abhängende Volkswirtschaft ausbremsen könnte. Der japanische Leitindex Nikkei 225 fiel um rund drei Prozent.
Source: tagesschau.de