Marie-Louise Eta: Ein gesellschaftliches Signal

Seit diesem Wochenende gibt es in der deutschen Fußball-Bundesliga, ja überhaupt im europäischen Klubfußball ein Novum: Eine Frau wurde Chefcoach einer Männermannschaft.

Das gab es schon hie und da in unterklassigen Profiteams, aber noch nie in einer der großen europäischen Top-Ligen; auch nicht, wie hier, für eine Übergangszeit. Marie-Louise Eta soll bis Ende der Saison den Kickern von Union Berlin Beine machen, damit sie dem Abstieg in die zweite Liga entrinnen.

Die nötige Autorität

Für den Klub geht es dabei, darf man unterstellen, vorrangig um die sportliche Perspektive. Man traut Frau Eta die nötige fußballerische und menschliche Autorität zu.

Als Fußballerin hat sie zu ihrer Zeit viel erreicht und sich als Trainerin, auch von Männerteams, bewährt. Als kurzzeitige Ko-Trainerin der Männermannschaft von Union hat sie auch schon mal eine Vorahnung der Aufmerksamkeit erfahren, die sie jetzt bekommen wird.

Vielleicht spielt auch eine Prise wirtschaftlicher Vernunft hinein, da sie ohnehin auf dem Gehaltszettel des Vereins steht; das wäre ebenfalls eine legitime Erwägung.

An Leistung und Erfolg messen

Ob das Experiment es wert war, sollte jedenfalls an Leistung und Erfolg bemessen werden. Dass sie eine Frau ist, sollte ihr weder zur Last gelegt werden noch Schwächen, falls sie auftreten, bemänteln.

Anders ist es mit der Wirkung nach außen. Dass der Fußball in den vergangenen Jahrzehnten von der schönsten Nebensache der Welt zu einer gesellschaftlich relevanten Größe angewachsen ist, mag man begrüßen oder bedauern, aber es ist eine Tatsache.

Daher wirkt es über den Sport hinaus, wenn eine Frau hier an einer Stelle steht, für die bislang nur Männer infrage zu kommen schienen. Es ist ein gutes Signal. Es wirkt in die Gesellschaft hinein, auf Männer wie Frauen, auf Buben wie Mädchen.

So wie es gut war, dass in Angela Merkel auch einmal eine Frau die Position des Bundeskanzlers eingenommen hat. Die Ergebnisse ihrer Arbeit kann man dessen ungeachtet kritisieren.

Source: faz.net