Donald Trump ärgert sich über viele Dinge. Zu seinen Hauptärgernissen zählt die Handelsbilanz seines Landes. So importierten die Amerikaner auch 2025 aus Deutschland wieder viel mehr, als sie Waren an uns verkauften. 52 Milliarden Euro Defizit waren das Ergebnis.
Doch was passiert mit den Erträgen aus unseren guten Geschäften mit Amerika? Die größte Eigentümergruppe börsennotierter Unternehmen in Deutschland kommt aus den USA.
Von den institutionellen Anlegern sind 43 Prozent Amerikaner, 18 Prozent Briten, 16 Prozent andere Europäer und nur zwölf Prozent Deutsche. Der Anteil amerikanischer Anleger steigt kontinuierlich. Fazit an den Kapitalmärkten: Die Deutschen arbeiten für ihr Geld, die anderen lassen ihr Geld für sich arbeiten.
Kanzler Merz stößt wichtige Debatte an
Ob es den Amerikanern wirklich lieber wäre, im Trump’schen Sinne an frühere Zeiten anzuknüpfen, als sie noch selbst in weitaus größerer Zahl in Fabriken standen und Waren herstellten, oder ob der Status quo nicht charmanter ist, die anderen für sich arbeiten zu lassen, aber selbst als Eigentümer die Erträge aus der Wertschöpfung zu vereinnahmen?
Als Friedrich Merz im Herbst in einer Regierungserklärung einer europäischen Super-Börse das Wort redete, „einer Art European Stock Exchange“, damit Unternehmer hier genügend Kapital fänden und nicht in New York an die Börse gehen müssten wie Biontech, hat der CDU-Bundeskanzler damit eine wichtige Debatte angestoßen.
Ringen zwischen Paris und Frankfurt
Umgehend und fast schon penetrant lässt der Pariser Euronext-Chef Stephané Boujnah seither wissen, er sei bereit, eine solche Börse zu schmieden und zu führen. Hessens Ministerpräsident Boris Rhein (CDU) hingegen betonte, der zentrale Ort der Börse müsse „natürlich hier“ in Frankfurt sein.
Selbst die CSU verfasste ein Strategiepapier zu Börsen, mit der Conclusio, es müsse eine solche Super-Börse geben – mit Sitz in Deutschland. Frankfurt wurde nicht erwähnt, als Kompromiss zwischen Frankfurt und Paris wäre der CSU sicherlich auch München recht.
Dieser Strang der Debatte führt nicht weiter. Zu lange haben sich europäische Börsen in gegenseitigen Fusionsversuchen blockiert. Stets standen Standortfragen und regionale Befindlichkeiten oben auf der Agenda, nicht die Sache.
Als die Deutsche Börse 2017 wieder mit einem Fusionsversuch mit der London Stock Exchange gescheitert war, besannen sich alle Börsen in Europa eines Besseren und fokussierten sich auf ihre jeweiligen Stärken oder entwickelten neue.
Dieser Wettbewerb hat in Paris die größte Aktienbörse entstehen lassen, in London wurde der Fokus auf das Geschäft mit Daten gelegt, und die Deutsche Börse ist die am breitesten aufgestellte europäische Börse und spitze im Bereich des Handels mit Strom und Gas, mit ETF und einer großen Expertise als Fondsdienstleister.
Wettbewerb tut auch in den USA und Chian gut
Eine politisch orchestrierte Fusion dieser Börsen würde Europa nicht weiterbringen. Es ist auch nicht die Stärke der Amerikaner oder Chinesen, eine Super-Börse zu haben. In den USA tut der Wettbewerb zwischen den zwei großen Aktienbörsen Nasdaq und New York Stock Exchange gut, und in China wetteifern die Standorte Hongkong, Shanghai und Shenzhen miteinander.
Das seit Herbst wertvollste deutsche Start-up ist die Berliner Bank Trade Republic. Doch wer führte eine der Finanzierungsrunden an? Der Pensionsfonds der Lehrer aus dem kanadischen Ontario. Rund 60 Billionen Euro Risikokapital haben nordamerikanische Pensionskassen und institutionelle Anleger zu vergeben, in Europa sind es bei ähnlicher Bevölkerungsgröße nur zehn Billionen Euro.
Hier ist der Hebel anzusetzen. Mehr Risikokapital für Unternehmen hilft bei Investitionen in Wachstum und Arbeitsplätze. Und die Erträge der Anleger sind langfristig deutlich höher als auf dem Bankkonto.
Hier in der Regulatorik von Betriebsrenten, Versicherern und Versorgungswerken nicht nur die Risiken, sondern auch die Chancen stärker in den Blick zu nehmen, ist ebenso politische Aufgabe wie steuerliche Nachteile für Aktien und Risikokapital gegenüber Gold, Bitcoin, Immobilien und Anleihen zu beseitigen.
Übrigens: Das sozialdemokratisch geprägte Schweden hat nicht nur die Rente kapitalmarktorientiert aufgestellt. Im Nachgang entstand auch ein Umfeld für Börsengänge vieler Start-ups in Schweden. Auch das hat den Börsenwettbewerb in Europa erfreulich belebt.