Manchester: Britische Polizei stuft Anschlag aufwärts Synagoge wie Terrorismus ein

Der tödliche Angriff auf eine Synagoge in Nordengland hat nach Einschätzung der britischen Antiterrorpolizei einen terroristischen Hintergrund. Es habe zwei Festnahmen gegeben, gab der Vize-Kommissar der Polizei für die Terrorismusbekämpfung, Laurence Taylor, bekannt. 

Die Ermittler glauben demnach außerdem, die Identität des Angreifers zu kennen, können dies Taylor zufolge jedoch zum jetzigen Zeitpunkt „aus Sicherheitsgründen“ nicht bestätigen. Der Täter sei von Beamten am Tatort im Crumpsall, einem Vorort von Manchester, erschossen worden. Die Polizei brauchte
einige Zeit, um den Tod des Angreifers zu bestätigen. Es gab die Befürchtung, dass er Sprengstoff am Körper tragen könnte. Demnach trug der Mann eine Weste, die wie ein Sprengsatz aussah. Später gab die Polizei bekannt, dass der Gegenstand „nicht funktionsfähig“ gewesen sei.

Premierminister Starmer: „Müssen Hass erneut besiegen“

Premierminister Keir Starmer äußerte sich am Abend nach einer
Dringlichkeitssitzung des sogenannten Cobra-Ausschusses, der sich bei
Notlagen trifft und aus Regierungsmitgliedern und Beamten besteht.
Starmer sagte, der Attentäter habe „Juden angegriffen, weil sie Juden
sind“ und Großbritannien angegriffen, weil das Land seine Werte
vertrete. „Großbritannien ist ein Land, das jüdische Menschen willkommen
geheißen und ihnen Zuflucht und eine Heimat geboten hat.“ Es sei aber
auch das Land, in dem jüdische Gebäude rund um die Uhr geschützt werden
müssten und spezielle Sicherheitsvorkehrungen notwendig seien, „wegen
der täglichen Bedrohung durch antisemitischen Hass“. Starmer sagte
weiter:

Das ist kein neuer Hass, sondern einer, der wieder aufflammt und den Großbritannien erneut besiegen muss.

Großbritanniens Premierminister Keir Starmer

Starmer sprach den Familien der Getöteten sein Beileid aus und dankte
den Polizisten, die eine größere Tragödie verhindert hätten. An die
jüdische Gemeinde gewandt, sagte er: „Im Namen unseres Landes drücke ich
unsere Solidarität, aber auch meine Traurigkeit darüber, dass Sie immer
noch mit diesen Ängsten leben müssen.“ Er wolle alles in seiner Macht
Stehende tun, um den Juden im Land Sicherheit zu garantieren.

Wir werden uns zusammenschließen, um Ihre Gemeinde zu umarmen. Wir werden Ihnen zeigen, dass Großbritannien ein Land ist, in dem Sie und Ihre Familie sicher und geborgen sein können und dazugehören.

Großbritanniens Premierminister Keir Starmer

Bei dem Anschlag am höchsten jüdischen Feiertag Jom Kippur waren mindestens zwei Menschen getötet worden. Sie gehörten nach Polizeiangaben zur Gemeinde. Vier Menschen wurden
verletzt. Sie werden im Krankenhaus behandelt. Nach Angaben der Polizei fuhr der Angreifer mit einem Auto gegen 9.30 Uhr in eine Gruppe von
Menschen. Danach stach er mit einem Messer auf Menschen ein. Sieben Minuten nach dem ersten Notruf sei der Mann erschossen worden.

Während des Angriffs habe sich eine große Zahl von Menschen in der
Synagoge aufgehalten. Dank des Muts des Sicherheitspersonals und der
Gläubigen sowie der schnellen Reaktion der Polizei sei der Angreifer
jedoch am Eindringen gehindert worden. 

Nach Angaben der Antiterrorpolizei werden die Sicherheitsvorkehrungen an
jüdischen Einrichtungen und Synagogen im Land verstärkt. Zusätzlich
aktiviere die Einheit „alle verfügbaren Kapazitäten“.

Königshaus zeigt sich schockiert

König Charles III. und Königin
Camilla zeigten sich „zutiefst schockiert und betrübt“, von dem Angriff „an
einem so bedeutenden Tag für die jüdische Gemeinschaft“ erfahren zu
müssen. „Unsere Gedanken und Gebete sind bei all jenen, die von diesem
schrecklichen Vorfall betroffen sind, und wir wissen das schnelle
Handeln der Rettungskräfte sehr zu schätzen“, schrieb Charles.

Die Tat in Manchester erinnert an den Anschlag in Halle 2019, ebenfalls an Jom Kippur. Damals hatte ein Rechtsterrorist einen Anschlag auf die dortige Synagoge verübt. Weil er nicht in das Gebäude gelang, konnte Schlimmeres verhindert werden. Auf seiner Flucht erschoss der Mann jedoch eine 40-jährige
Passantin und einen 20-Jährigen in einem Döner-Imbiss. Erst gestern waren in Berlin drei mutmaßliche Hamas-Mitglieder festgenommen worden, die Anschläge auf jüdische Einrichtungen in Deutschland geplant haben sollen. Ende Mai waren in Washington, D. C. zwei israelische Botschaftsmitarbeiter erschossen worden.

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