Macrons „Top Gun“-Look – dies kämpferisch-coole Gesicht Kern-Europas

Emmanuel Macron trägt in Davos wegen seiner Augenerkrankung eine Pilotenbrille. Der Look erinnert an Tom Cruise in „Top Gun“ und an ein liebenswert-patriotisches Amerika. Der Franzose wird so zum Gesicht eines Kern-Europas, das sich gegen Donald Trump wehrt.

Es wird noch gemunkelt, welches Modell der französische Präsident Emmanuel Macron zum Weltwirtschaftsgipfel in Davos gestern tatsächlich trug. Tragen musste, wie er immer wieder betonte. Eine „kleine Augengeschichte“ habe er, nichts Wildes, aber so unschön, dass Macron beim alljährlichen Treffen der Mächtigen in der Schweiz lieber die Augenpartie verdeckt, wie er sagte.

Stilistisch entspricht das Modell, welches Macron dort trägt, auf jeden Fall der legendären Ray-Ban „Aviator“ (RB3025). Das ist die Sonnenbrille, die Ende der 1930er-Jahre für US-Piloten entwickelt wurde. Tom Cruise trägt sie als Air Force-Pilot Pete „Maverick“ Mitchell in „Top Gun“ (1986) und auch in der Fortsetzung „Maverick“ (2021). Eine Brille, die zur weltweit unausgesprochen akzeptierten Grundausstattung maskuliner Coolness gehört. Eines dieser Accessoires, mit der Mann einfach nie etwas falsch machen kann. Und von daher eigentlich nicht weiter erwähnenswert.

Dass es diesmal anders ist und der „Look“ Macrons etwa in den sozialen Medien vielfach besprochen wurde, hat ausnahmsweise nichts damit zu tun, dass Macron sich wie Cruise in „Top Gun“ in eine deutlich ältere Blondine verliebte – sondern schlicht mit den Umständen. Mit der Lage, in der Macron sich als einer der führenden Politiker des alten Europas befindet, als Präsident eines Nato-Staates, als stolzer Vertreter einer Nation und als ein Mann, der von Donald Trump gerade, wann immer möglich, nachgeäfft, verspottet und kleingeredet wird.

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Macron, so könnte man es sagen, ist aktuell (man weiß ja nie, was und wen „The Donald“ morgen attackiert) so etwas wie der Lieblingspunchingball unter den europäischen Staatschefs. Und natürlich physiognomisch und stilistisch das komplette Gegenteil.

Gegenüber dem 1,90 Meter großen, 79 Jahre alten und (auch) körperlich ziemlich grobschlächtigen US-Präsidenten wirkt der 48-jährige Franzose, nur 1,73 Meter groß, geradezu feingliedrig und grazil. Und während Trump, auch darin sehr amerikanisch, bevorzugt betont weite Anzüge trägt (und dazu Basecap), ist Macron ein klassischer Vertreter des schmal geschnittenen, perfekt sitzenden Anzugs, wie man ihn unter Politikern (und Männern allgemein) auf dem alten Kontinent vor allem in den Modenationen Frankreich und Italien sieht (ab und an auch in London). Über Deutschland und seine Politiker decken wir hier mal gnädig den Mantel des Schweigens.

Macron, das muss an dieser Stelle auch einmal gesagt werden, ist ein stets elegant gekleideter, gepflegt auftretender und für einen Politiker bemerkenswert attraktiver Mann. Die Pilotenbrille, die er in Davos, in einem Rahmen trug, der Sonnenbrillen eigentlich verbietet (Libyens Muhammar al-Gaddafi war zu Lebzeiten eine Ausnahme), gab dem Franzosen nun eine auffallend kämpferische Note. Er avanciert, vermutlich so nicht geplant, damit zum Gesicht eines alten Europas, welches sich nach Grönland-Erpressungsversuchen und neuen Zolldrohungen seiner wirtschaftlichen Stärke wieder erinnert. Und welches zumindest in den Kernländern (plus Großbritannien) zu der Erkenntnis kommt, dass es bei aller eingestandenen militärischen Abhängigkeit nicht immer die klügste Lösung ist, Trumps Forderungen mit Unterwürfigkeit zu begegnen. Es scheint, als wolle Macron mit seiner Brille ausdrücken, was viele in Europa gerade denken, sich in (Politiker) aber (noch) nicht aussprechen trauen:

Mehr „Maverick“ wagen (und sein) – nicht nur stilistisch.

Source: welt.de

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