Ein Gipfeltreffen zu Künstlicher Intelligenz in Neu Delhi bildet den Höhepunkt des vierten Staatsbesuchs des französischen Präsidenten in Indien. Emmanuel Macron hat seine mehrtägige Reise am Dienstag mit einem Abstecher in die Wirtschaftsmetropole Mumbai begonnen, wo er der Opfer des Terroranschlags von 2008 gedachte.
Zudem traf er Investoren und weihte aus der Ferne die Fabrik für den Airbus-Hubschrauber H125 ein, dessen Endmontage in Bengaluru stattfindet. Eine ähnliche Aufgabenteilung ist für die 114 Rafale-Kampfflugzeuge angedacht, die Indien in Frankreich kaufen will.
Der Milliardendeal gilt als Prunkstück der Verteidigungszusammenarbeit. Frankreich war 1998 das erste Land, mit dem Indien ein Abkommen über eine strategische Partnerschaft abgeschlossen hat. Der indische Verteidigungsminister sagte, dass ein Großteil der französischen Kampfjets in Indien montiert werden soll. Das wäre eine Premiere für das französische Rüstungsunternehmen Dassault.
Firmenchef Éric Trappier gehört der großen Wirtschaftsdelegation an, die Macron nach Indien begleitet. Indien hat bereits 2016 36 Rafale-Flugzeuge für seine Luftwaffe bestellt. Zudem hat es im vergangenen Jahr 26 Rafale-Jets der Marineversion geordert, die auf Flugzeugträgern eingesetzt werden können. Beobachter hielten es für wahrscheinlich, dass der Präsident sowie Verteidigungsministerin Catherine Vautrin die gemeinsame Reise auch für vertrauliche Gespräche mit Trappier zur Zukunft des deutsch-französisch-spanischen Kampfflugzeugsystems FCAS nutzen.
KI-Lösungen als Gemeingüter
In der Frage der wachsenden Bedeutung Indiens stimmen Macron und Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) vollends überein. Doch das Handelsvolumen Frankreichs mit Indien liegt bei 15 Milliarden Euro, während sich Deutschlands Indien-Geschäft auf 42 Milliarden Euro beläuft. Bundeskanzler Merz reiste im Januar nach Indien.
Macron verfolgt jetzt das Ziel, die bilateralen Beziehungen zu stärken und „das ungenutzte Potential“ auszuschöpfen. Das EU-Freihandelsabkommen mit Indien, das 2027 in Kraft treten soll, stößt in Frankreich anders als das Mercosur-Abkommen auf breite Zustimmung. Das liegt vor allem daran, dass die Landwirtschaft ausgeklammert wurde.
Macron wird an diesem Mittwoch in Neu Delhi als Ehrengast des KI-Gipfels erwartet, der als Nachfolgeveranstaltung des Pariser KI-Gipfels im vergangenen Jahr angelegt wurde. Der deutsche Digitalminister Karsten Wildberger (CDU) nimmt neben KI-Größen wie Dario Amodei (Anthropic), Sam Altman (OpenAI), Sundar Pichai (Google), Arthur Mensch (Mistral AI) sowie Alexandr Wang (Meta) teil.
Macron sieht in Indien einen Verbündeten gegenüber der Dominanz der USA und Chinas bei KI. Ziel des Gipfels soll eine Vereinbarung sein, um KI-Lösungen als Gemeingüter zu etablieren. Die Technologie soll künftig als öffentliches Gut und weniger als gewinnbringendes Produkt für einzelne Techkonzerne behandelt werden. Damit soll auch die Abhängigkeit von Techkonzernen verringert werden.
Ohnehin stößt das französische Konzept von strategischer Autonomie auf viel Verständnis in Indien. Das nächste Treffen mit Modi hat Macron bereits geplant. Der Inder hat zugesagt, an Macrons afrikanischem Abschiedsgipfel im Mai in Nairobi teilzunehmen. Auch Bundeskanzler Merz wird in Nairobi erwartet. Neu Delhi hatte 2017 einen neuen „Wachstumskorridor Asien-Afrika“ angekündigt, der Indien mit Ostafrika verbinden soll.
Source: faz.net