Logik aufwärts See „verändert sich“: Experte: Hormus-Mission wäre kolossal aufwendig

Logik auf See „verändert sich“Experte: Hormus-Mission wäre enorm aufwendig

17.04.2026, 11:03 Uhr

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Der Persische Golf und die Straße von Hormus. Alle Augen richten sich derzeit auf die Meerenge. (Foto: -/The Visible Earth/NASA/dpa)

In Paris trifft sich eine große Gruppe an Staaten, um Lösungen für die blockierte Straße von Hormus zu finden. Auch Deutschland will sich beteiligen. Das könnte laut Sicherheitsexperte Moritz Brake deutlich komplizierter sein, als es auf den ersten Blick aussieht.

Sicherheitsexperte Moritz Brake rechnet mit einem enormen Aufwand für EU-Staaten, die die USA bei der Räumung der Straße von Hormus unterstützen wollen. „Wenn wir uns angucken, wie viel Aufwand die US-Marine dort vor Ort hat und hatte in den letzten Wochen, dann müssten Frankreich, Deutschland und Großbritannien ihre kompletten Marinen im Grunde einsetzen, um ein ähnliches Potenzial zu erreichen“, schätzte Brake im „rbb inforadio“. Er ist Geschäftsführer des Unternehmens NEX Maris und berät die Bundesregierung.

Heute trifft sich Bundeskanzler Friedrich Merz in Paris mit Verbündeten, insgesamt zugeschaltet sind über 40 Nationen. Merz will bei den Beratungen ein konkretes Angebot für eine Beteiligung der Bundeswehr machen: Die Marine soll nach einem Ende der Kampfhandlungen und wenn weitere Bedingungen erfüllt sind, Minenjagdboote, ein Versorgungsschiff und Luftaufklärung bereitstellen, wie die Deutsche Presseagentur berichtete. Die Minenjagdboote müssten laut Brake allerdings ihrerseits durch Kriegsschiffe vor iranischen Angriffen geschützt werden, was den Aufwand deutlich erhöhen würde. Ein Einsatz während laufender Kampfhandlungen ist der Bundesregierung zufolge für Deutschland allerdings ausgeschlossen.

Die Situation der Seehandelsschifffahrt drohe sich mit Blick auf die Weltlage allgemein zu verändern, so Brake. „Handelsschiffe brauchen wirklich Gewissheit, dass niemand auf sie schießt, zumindest wenn sie im Frieden operieren sollen.“ Sollte Frachttransport künftig auch unter Kriegsbedingungen stattfinden, könne das nur unter Führung der Marine und der Verantwortungsübernahme des Staates laufen. Man müsse die Logik des Einsatzes von Seetransport komplett verändern. „Wir müssen weg von der Logik, dass die Verantwortung für die Passage bei Handelsschiffkapitänen liegt. Die müssen in erster Linie das Leben ihrer Besatzung schützen.“

Um die menschlichen Kosten von Seehandel unter Kriegsbedingungen zu veranschaulichen, zog Brake einen Vergleich zum Zweiten Weltkrieg. Damals lag die Abschussquote für Handelsschiffe, die die Alliierten belieferten, auf gewissen Routen bei zwei Dritteln. Nur ein Drittel der Schiffe erreichte also das Ziel. „Die Risiken waren extrem hoch“, sagte Brake. Die Schiffe, die ankamen, haben jedoch „den Unterschied gemacht, um den Krieg gewinnen zu können.“ Wolle man unbedingt Frachtschiffe durch die Straße von Hormus schicken, müsse man Risiken in Kauf nehmen und „mit allen Mitteln sichergehen“, dass möglichst viele Schiffe unversehrt durch die Meerenge kommen.

„Das Problem ist aber, dass Geld das Problem nicht löst“, sagte Brake. „Denn mit Geld kann ich Menschenleben nicht kaufen und wieder zurückbringen. Das Risiko für die zivilen Besatzungen ist sehr, sehr hoch. Und solange dies Zivilisten sind, kann man die da nicht einfach in dieses Risiko hineinschicken.“

Quelle: ntv.de, toh

Source: n-tv.de