Bevor die Ermittler an der Baumstraße im Hamburger Stadtteil Bramfeld vor der Tür standen, hatten sie den 40‑jährigen Bewohner bereits im Blick. Auf einer Online‑Plattform war aufgefallen, dass er größere Mengen verschiedener chemischer Stoffe bestellt hatte.
Die Substanzen sind zwar teils frei erhältlich, werden jedoch häufig als Ausgangsmaterialien für die Herstellung von Feuerwerkskörpern oder Explosivgemischen genutzt. Das Landeskriminalamt wertete die Bestellungen als so ungewöhnlich, dass die Spezialisten der Sprengstoffdienststelle gemeinsam mit der Staatsanwaltschaft eine Durchsuchung beantragten. Der 40-Jährige ist laut Ermittlern nicht im Besitz einer sprengstoffrechtlichen Erlaubnis.
Als die Beamten das Einfamilienhaus in der ruhigen Anliegerstraße betraten, fanden sie im Keller schließlich rund 50 Kilogramm Chemikalien, die sich für die Herstellung explosionsfähiger Stoffe eignen. Daneben entdeckten sie selbstgemischte Feuerwerksstoffe und kleine selbstgebaute Böller, die ebenfalls sichergestellt wurden. Ein industrielles Mahlwerk – ein Gerät, mit dem sich Bestandteile zerkleinern und mischen lassen – stand ebenfalls bereit.
Füllmaterial für Kugelbomben gefunden
Außerdem lagen Materialien im Keller, wie sie zum Befüllen sogenannter Kugelbomben verwendet werden. Solche Gegenstände bergen ein erhebliches Risiko, wenn sie ohne Fachwissen hergestellt oder gelagert werden.
Die Baumstraße ist eine kleine, eher unauffällige Wohnstraße mit älteren Einfamilienhäusern. Dass dort ein Mann über längere Zeit ein solches Arsenal an Stoffen zusammentrug, wurde erst durch die digitalen Spuren sichtbar, denen das LKA nachging. Hinweise auf eine akute Gefährdung durch den Mann stellten die Beamten vor Ort jedoch nicht fest. Nach Abschluss der Maßnahmen durfte der 40-Jährige auf freien Fuß. Festgenommen wurde er nicht.
Die Ermittlungen dauern an.
Source: welt.de