Die USA haben einen mit Venezuela in Verbindung stehenden Öltanker beschlagnahmt. Das teilte das Europakommando der amerikanischen Streitkräfte auf der Plattform X mit. Das US-Justizministerium und das Heimatschutzministerium haben in Zusammenarbeit mit dem amerikanischen Verteidigungsministerium „heute die Beschlagnahmung der M/V Bella 1 wegen Verstößen gegen US-Sanktionen verkündet”. Weiter heißt es: „Das Schiff wurde im Nordatlantik gemäß einem von einem US-Bundesgericht ausgestellten Durchsuchungsbefehl beschlagnahmt.“ Zuvor sei es von einem Schiff der US-Küstenwache verfolgt worden.
Das Frachtschiff „The Marinera“ soll sich unter russischer Flagge derzeit im Nordatlantik etwa 200 km südlich der isländischen Küste befinden. Zuvor soll es – noch unter einem anderem Namen auf dem Weg nach Venezuela – plötzlich den Kurs geändert haben, um der Durchsuchung durch die US-Küstenwache zu entgehen, wie das „Wall Street Journal“ und der Sender CBS berichteten.
Russland soll den Berichten zufolge ein U-Boot und weitere Schiffe zum Schutz des Tankers entsendet haben. Die Nachrichtenagentur PA berichtete, ein britisches Aufklärungsflugzeug soll entlang der Route des Schiffs unterwegs gewesen sein. Weder das Weiße Haus noch die britische Regierung antworteten konkret auf Nachfragen. „Die USA sind der wichtigste Verteidigungs- und Sicherheitspartner des Vereinigten Königreichs“, betonte ein Sprecher des britischen Premierministers Keir Starmer.
US-Präsident Donald Trump hatte bereits vor der militärischen Operation in Venezuela mit der Gefangennahme von Präsident Nicolás Maduro eine Seeblockade für mit Sanktionen belegte Öltanker angeordnet, die Venezuela ansteuern oder einen Hafen des rohstoffreichen Landes verlassen. „The Marinera“ soll den Berichten zufolge zuvor als „Bella 1“ unter guyanischer Flagge Öl aus Venezuela und Iran transportiert haben. Russland wird von den westlichen Alliierten beschuldigt, alte Tanker zu nutzen, um Sanktionen zu umgehen.
Das Außenministerium in Moskau teilte der russischen staatlichen Nachrichtenagentur TASS zufolge mit, Russland betrachte die außergewöhnliche Situation mit Besorgnis. Das Schiff befahre derzeit unter der Flagge der Russischen Föderation in Übereinstimmung mit den Normen des internationalen Seerechts die Gewässer des Nordatlantiks. Aus unverständlichen Gründen schenkten das US-Militär und die NATO seinem zivilen Status keine angemessen erhöhte Aufmerksamkeit, hieß es. Schon seit einigen Tagen folge dem Tanker ein Schiff der US-Küstenwache, obwohl er ungefähr 4.000 Kilometer von der US-Küste entfernt sei.
Dem „Wall Street Journal“ zufolge wollte der Tanker ursprünglich in Venezuela anlegen und soll derzeit ohne Fracht unterwegs sein. Nach der Kursänderung soll die US-Küstenwache dem Schiff gefolgt sein – erst dann soll die Besatzung die russische Flagge auf die Seite des Schiffs gemalt und die Registrierung geändert haben. Das Southern Command der USA teilte am Dienstag auf der Plattform X mit, sich sanktionierten Schiffen und Akteuren entgegenzustellen.
Source: faz.net