Chef des US-Zentrums für Terrorismusbekämpfung tritt zurück: „Haben Krieg wegen Drucks aus Israel begonnen“
Der Direktor des Nationalen Zentrums für Terrorismusbekämpfung in den Vereinigten Staaten, Joe Kent, ist aus Protest gegen den Irankrieg von seinem Posten zurückgetreten. In einem am Dienstag veröffentlichten Brief hieß es, er könne den Krieg nicht guten Gewissens unterstützen. Iran habe „keine direkte Bedrohung für unsere Nation“ dargestellt. Es sei vielmehr klar, „dass wir diesen Krieg wegen des Drucks aus Israel und seiner mächtigen amerikanischen Lobby begonnen haben“.
An den Präsidenten gerichtet schrieb Kent, er habe die Außenpolitik unterstützt, für die Trump in den Wahlkämpfen 2016, 2020 und 2024 eingetreten sei. Bis Juni 2025 sei Trump sich darüber im Klaren gewesen, „dass die Kriege im Nahen Osten eine Falle waren: Sie kosteten Amerika das Leben unserer Patrioten und schwächten den Wohlstand der Nation“. Zu Beginn der zweiten Amtszeit hätten „ranghohe israelische Beamte und einflussreiche amerikanische Medienvertreter“ jedoch eine „Desinformationskampagne“ gestartet, die Trumps „America First“-Agenda untergraben habe. Kent fuhr fort, mit Hilfe dieser „Echokammer“ habe man Trump „vorgegaukelt“, Iran stelle eine unmittelbare Bedrohung dar und ein sofortiger Angriff ebne den Weg zu einem schnellen Sieg. „Das war eine Lüge.“
Kent, dessen Abteilung bei der Nationalen Geheimdienstdirektorin Tulsi Gabbard angedockt ist, ist der erste ranghohe Beamte der Regierung, der wegen des Kriegs zurücktritt. Als Kandidat für das Repräsentantenhaus 2021 präsentierte er sich im Wahlkampf als Unterstützer Trumps. Kent schied 2018 aus dem Militär aus und absolvierte bis dahin elf Kampfeinsätze. Seine Frau Shannon Smith, Mitglied der U.S. Navy, kam bei einem Selbstmordattentat im syrischen Manbij 2019 ums Leben. In seinem Brief schrieb Kent nun, als jemand, der seine Frau in einem „von Israel angezettelten Krieg“ verloren habe, könne er es nicht unterstützen, „die nächste Generation in einen Krieg zu schicken, in dem sie kämpfen und sterben muss“.
Source: faz.net