Die außenpolitische Sprecherin der Linken, Cansu Özdemir, findet es „eine verantwortungslose Kommunikation, erst zu sagen, Deutschland könne die Menschen nicht zurückholen, und dann 24 Stunden später das Gegenteil anzukündigen“. Özdemir spielt damit auf die Zuschaltung des Ministers in der ARD-Sendung „Caren Miosga“ am Sonntagabend an. Dort hatte Wadephul sich zurückhaltend zu staatlichen Rückholaktionen für gestrandete Urlauber geäußert. Auch Özdemir meint, das Auswärtige Amt hätte früher vor Dubai-Reisen warnen müssen.
Selbst der außenpolitische Sprecher der CDU/CSU, Jürgen Hardt, räumt ein, dass die Reisewarnung für die komplette Golfregion „aus heutiger Perspektive zu spät ergangen“ sei. Hardt weist gegenüber der F.A.Z. aber auch darauf hin, dass die Sicherheitshinweise im Februar zumindest verschärft wurden. Der CDU-Politiker sagte, man könne darüber diskutieren, Reisewarnungen künftig früher auszusprechen. „Es ist aber zu berücksichtigen, dass mit abgesagten Reisen erhebliche Eingriffe in die persönliche Freiheit und in die Tourismuswirtschaft verbunden sind.“
Wadephuls anfängliche Zurückhaltung gegenüber staatlichen Rückholaktionen kann Hardt nachvollziehen: „Es war zunächst völlig unklar, ob in der Golfregion überhaupt Flüge möglich sind.“ Mittlerweile sei davon auszugehen, dass Militärflüge nicht notwendig würden, „sondern eine komplette Rückholung mit Charterflügen möglich ist“. Dass diese nun anlaufen, wertet der außenpolitische Sprecher der SPD-Bundestagsfraktion, Adis Ahmetović, als „notwendige Kurskorrektur“. Sie werde allerdings nicht ausreichen: „Es müssen weitere Unterstützungspläne folgen.“ Besonders dringlich sei die Situation einiger Freiwilligendienst Leistenden, die im Auftrag der Bundesregierung in Israel seien. Ein Sprecher des Bundesfamilienministeriums teilte mit, derzeit seien noch 24 Freiwillige des Internationalen Jugendfreiwilligendienstes in Israel
Source: faz.net