Vor der libyschen Küste sind beim Kentern zweier Boote mindestens vier Menschen ums Leben gekommen. Das Unglück hat sich nach Angaben des Libyschen Roten Halbmonds vor der Küstenstadt Al Chums ereignet. Insgesamt befanden sich 95 Menschen an Bord der beiden Boote.
Auf dem ersten Boot reisten demnach 26 Migranten aus Bangladesch, von denen vier starben. Das zweite Boot transportierte den Angaben zufolge 69 Menschen, darunter zwei Ägypter und zahlreiche Sudanesen. Zu ihrem Verbleib äußerte sich der Rote Halbmond nicht. Bilder der Organisation zeigen Leichen in schwarzen Plastiksäcken sowie Freiwillige, die Überlebende versorgen.
An der Rettungsaktion waren die Küstenwache und die Hafenbehörde von Al Chums beteiligt. Die geborgenen Leichen wurden nach Angaben des Roten Halbmonds auf Anweisung der Staatsanwaltschaft an die zuständigen Behörden übergeben.
Transitland für Geflüchtete aus Afrika und dem Nahen Osten
Bereits am Mittwoch hatte die Internationale Organisation für Migration berichtet, dass mindestens 42 Menschen vermisst werden, nachdem ein Schlauchboot nahe der Offshore-Anlage Al Buri gesunken war. Die Vereinten Nationen gehen davon aus, dass alle Menschen ums Leben kamen.
Libyen gilt seit dem Sturz Muammar al Gaddafis 2011 als zentrales Transitland für Geflüchtete aus Afrika und dem Nahen Osten, die versuchen, über das Mittelmeer nach Europa zu gelangen. Vor der libyschen Küste kommt es regelmäßig zu schweren Unglücken. Mitte Oktober wurden westlich von Tripolis 61 Leichen geborgen. Im September starben nach IOM-Angaben mindestens 50 Menschen, als ein Boot mit sudanesischen Geflüchteten in Brand geriet.
Kritik an libyscher Küstenwache
Die libysche Küstenwache steht seit Längerem wegen ihres Vorgehens gegen Geflüchtete und zivile Seenotretter in der Kritik. Nach Angaben von Organisationen wie Sea-Watch haben von Italien ausgerüstete Einheiten mehrfach Rettungsschiffe beschossen oder bedroht. Menschenrechtsgruppen verweisen zudem auf enge Verbindungen zwischen den beteiligten Milizen, staatlichen Stellen in Libyen und den dort betriebenen Internierungslagern.