Liberale im Niedergang: Die letzte Chance z. Hd. die Liberale

Es fällt leicht, Nachrufe auf die FDP zu schreiben; schwieriger erscheint es, eine Zukunft für eine Partei zu erkennen, die offenkundig nicht so weitermachen kann wie bisher. Das Dilemma der FDP bestand immer in ihrer geringen Zahl von Stammwählern, die auf 2 bis 3 Prozent der Gesamtwählerschaft geschätzt werden. Auf diese schmale Stammwählerschaft baute die FDP eine thematisch weite Konstruktion, die vom linken Bürgerrechtsliberalismus bis zu einem wirtschaftsfreundlichen Ordnungsdenken reichte.

Das Bemühen, Wechselwähler überall dort einzusammeln, wo sie sich finden ließen, war verständlich angesichts der Nöte, trotz einer kleinen Stammwählerschaft beständig über die Hürde von 5 Prozent zu gelangen. Die inhaltliche Unschärfe war so lange kein Handicap, wie eine auch personell attraktive FDP vom Ruf einer Funktionspartei zehrte, die in Koalitionen die schlimmsten Exzesse größerer Partner verhindert.

Eine Fokussierung könnte helfen

Diese über dem schmalen Fundament weit aufgespannte Konstruktion ist zusammengebrochen. Die personell erschöpft wirkenden Liberalen haben ihren Ruf als Funktionspartei in der Ampel ruiniert. Ehemalige linksliberale Wähler stimmen heute eher für die Grünen, viele ehemalige der Wirtschaft nahestehenden Wähler finden sich bei der CDU und bei der AfD. Die heutige FDP erweckt nicht mehr den Eindruck, eine sinnvolle Rolle zu spielen.

Eine Kleinpartei mit einem sehr breiten Programm kann in Wahlkämpfen keine Schwerpunkte setzen. Daher könnte der FDP eine Fokussierung guttun. Das wichtigste Thema wird für viele Wähler vermutlich die Wirtschaft bleiben. Nicht alle Kleinunternehmer und Mittelständler, die heute die AfD wählen, sind an die Rechtspopulisten dauerhaft gebunden. So wie heute viele Arbeiter die AfD wählen, weil sie sich von der SPD vernachlässigt fühlen, wählen Unternehmer die AfD, weil sie sich von der FDP (und von der Union) vernachlässigt fühlen. Wer die AfD schwächen will, muss jenen Teil ihrer Wähler ansprechen, die nicht aus Überzeugung in der rechten Ecke stehen. Es sind überwiegend Wähler, für die auch die innere Sicherheit ein bedeutendes Thema darstellt.

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