Israel will Friedensgespräche mit dem Libanon aufnehmen. Das
gab der israelische Ministerpräsident Benjamin Netanjahu bekannt. Angesichts
wiederholter Bitten des Nachbarlandes um direkte Gespräche habe er das Kabinett
angewiesen, diese so schnell wie möglich aufzunehmen, teilt Netanjahu mit. Im Mittelpunkt der
Verhandlungen stehe die Entwaffnung der Hisbollah und der Aufbau friedlicher
Beziehungen zwischen Israel und dem Libanon.
Die Gespärche sollten „so bald wie möglich“ stattfinden,
hieß es in der Mitteilung Netanjahus. Verschiedene israelische Medien, darunter
ynet und die Zeitung Maariv, berichteten mit Verweis auf vertraute Personen, die
Gespräche würden bereits kommende Woche in Washington, D.C. stattfinden. Demnach
sollen zunächst die US-Botschafter der beiden formal seit der Gründung Israels 1948 verfeindeten Länder daran
teilnehmen. Ein Sprecher von Netanjahu wollte die Zeitangabe auf Anfrage
zunächst nicht bestätigen.
Die Hisbollah lehnte direkte Verhandlungen mit Israel ab.
Die libanesische Regierung müsse einen Waffenstillstand als Vorbedingung für
weitere Schritte fordern, sagt der Hisbollah-Abgeordnete Ali Fajjad. Zudem
müsse der Abzug der israelischen Truppen aus dem Libanon sowie die Rückkehr der Vertriebenen Priorität
haben.
Verhandlungen zwischen USA und Iran
Der Iran hatte zuvor erklärt, die israelischen Angriffe auf die Hisbollah
durch Israel verletzten die mit den USA vereinbarte zweiwöchige Waffenruhe. Dadurch
würden die für Samstag in Pakistan geplanten Verhandlungen mit den USA sinnlos.
Zudem rechtfertigt das Land damit die weitere Blockade der Straße von Hormus.
USA und Israel bestritten bislang, dass die Waffenruhe auch für den Libanon
gelte.
Netanjahu begründete seine plötzliche
Verhandlungsbereitschaft zwar mit wiederholten
Bitten aus Beirut. US-Präsident Donald Trump sagte hingegen, er habe mit
dem israelischen Regierungschef über die Angriffe im Libanon
gesprochen. Die Israelis würden ihre Operationen „zurückfahren“,
sagte der Präsident dem Sender NBC. „Ich habe mit Bibi gesprochen, und er
wird das Ganze etwas ruhiger angehen. Ich glaube einfach, wir müssen insgesamt
ein bisschen zurückhaltender sein.“
Israel und Hisbollah greifen sich gegenseitig weiter an
Israel hatte seine Angriffe im Libanon zuletzt intensiviert – es waren die schwersten seit Kriegsbeginn. Alleine am Mittwoch wurden nach Angaben des Libanon 250 Menschen getötet, inzwischen soll die Zahl der Toten auf mehr als 300 gestiegen sein.
Auch die Hisbollah griff den Norden Israels erneut mit Raketen an. Seit dem Morgen habe sie rund 50 Raketen aus dem
Nachbarland auf Nordisrael gefeuert, teilte das israelische Militär mit. In der Stadt Naharija heulten am Abend
Berichten zufolge innerhalb von einer Stunde gleich viermal die Warnsirenen.
Auch in anderen Orten in Nordisrael gab es Raketenalarm.