In der Nacht hat Russland erneut ukrainische Städte aus der Luft angegriffen, es gibt Tote und Verletzte. Eigentlich hätte kurz zuvor die nächste Runde der Friedensverhandlungen stattfinden sollen. Die Suche nach einem Verhandlungsort gleicht laut Kiew jedoch einer Seifenoper.
Bei einem russischen Luftangriff in der Nähe der ukrainischen Hauptstadt Kiew sind in der Nacht zum Samstag mindestens vier Menschen getötet worden. 15 Menschen seien verletzt worden, teilte der Leiter der regionalen Militärverwaltung, Mykola Kalaschnyk, mit. Der Angriff habe Wohngebäuden, Bildungseinrichtungen, Unternehmen und kritischer Infrastruktur in vier Bezirken der gleichnamigen Region Kiew gegolten. Die Zahl der Opfer könne noch steigen.
Russische Streitkräfte greifen in dem seit über vier Jahren andauernden Krieg immer wieder auch ukrainische Ortschaften aus der Luft an, die weit hinter der Frontlinie liegen.
Der Gouverneur der südostukrainischen Region Dnipropetrowsk etwa, Olexander Ganscha, schrieb auf Telegram, in der Oblast seien eine Person getötet und sechs weitere verletzt worden. Der Gouverneur der angrenzenden und teilweise besetzten Region Saporischschja, Iwan Fedorow, teilte zudem mit, vier Menschen seien bei einem russischen Angriff verletzt worden.
Gleichzeitig meldete der Gouverneur der russischen Grenzregion Belgorod, Wjatscheslaw Gladkow, bei einem ukrainischen Angriff auf ein Dorf sei ein Bewohner getötet worden. Die ukrainischen Streitkräfte griffen nach russischen Angaben zudem in der Nacht eine Ölraffinerie und einen Hafen in der südrussischen Oblast Krasnodar mit Drohnen an.
Beim Beschuss des Hafens Kawkas seien drei Menschen verletzt worden, teilten die Behörden in Krasnodar auf Telegram mit. Ein Serviceschiff und die Pieranlage seien beschädigt worden. Der Hafen wird für den Umschlag von Getreide und Flüssiggas genutzt und liegt an der Straße von Kertsch gegenüber der bereits 2014 von Russland annektierten ukrainischen Halbinsel Krim.
Zudem sei in der Afipski-Ölraffinerie nach einem Drohnentreffer ein Feuer ausgebrochen, heißt es in einer separaten Mitteilung der Behörden. Das russische Verteidigungsministerium teilte zudem mit, es habe in der Nacht 87 ukrainische Drohnen abgeschossen, davon 31 über dem Asowschen Meer und 16 über der Oblast Krasnodar. Das Asowsche Meer ist durch die Straße von Kertsch mit dem Schwarzen Meer verbunden.
Die USA wollen derweil nach ukrainischen Angaben die nächste Runde der Dreiergespräche zum Konflikt verschieben. Die US-Vertreter dürften wegen der Lage im Nahen Osten derzeit nicht reisen, zitierten ukrainische Medien Präsident Wolodymyr Selenskyj zum Abschluss seines Frankreich-Besuchs.
Die Suche nach einem Verhandlungsort gleiche einer Seifenoper, sagte Selenskyj demnach. Die Ukraine sei zu Treffen in Miami, Washington, der Schweiz, der Türkei oder den Emiraten bereit. Russland lehne jedoch die USA als Ort ab und bevorzuge die Türkei oder die Schweiz – was Washington wiederum zurückweise. Die Entscheidung liege nun bei den USA. Seit Jahresbeginn fanden bereits zwei von den USA vermittelte Gesprächsrunden in den Vereinigten Arabischen Emiraten und eine weitere in Genf statt. Hauptstreitpunkt bleiben die Gebietsansprüche im Donbass.
dpa/Reuters/säd
Source: welt.de