Der Halbleiterhersteller Infineon baut sein Sensorgeschäft mit einer 570 Millionen Euro schweren Übernahme aus. Wie das Unternehmen am Dienstagabend mitteilte, wird von dem Licht- und Sensorunternehmen Ams-Osram das Geschäft mit nicht-optischen Sensoren übernommen. Mit der geplanten Investition will Infineon nach eigenen Angaben die führende Position im Bereich der Sensoren für Automobil- und Industrieanwendungen durch ein komplementäres Portfolio stärken und die Produktpalette bei Sensoren für medizinische Anwendungen erweitern.
Das deutsche-österreichische Unternehmen Ams-Osram befindet sich seit einiger Zeit in einer Restrukturierung und will mit dem Verkauf seine Schulden abbauen. „Wir schlagen zwei Fliegen mit einer Klappe“, sagte AMS-Chef Aldo Kamper. „Wir reduzieren unsere Verschuldung deutlich schneller als geplant und formen den führenden Anbieter in Digital Photonics.“
Umsatz von 220 Millionen Euro
Das an Infineon veräußerte Geschäft erzielte im vergangenen Jahr nach Angaben von Ams-Osram einen Umsatz von rund 220 Millionen Euro und einen bereinigten Betriebsgewinn vor Abschreibungen, Zinsen und Steuern (Ebitda) von etwa 60 Millionen Euro. Infineon erwartet, dass sich die Übernahme unmittelbar mit dem Abschluss ergebnissteigernd auf den Gewinn pro Aktie auswirken wird. Zukünftige Synergien ermöglichten eine erhebliche zusätzliche Wertschöpfung. Im Rahmen der Transaktion werden rund 230 Mitarbeiter mit Expertise in den Bereichen Forschung und Entwicklung (F&E) und Management von Ams-Osram zu Infineon wechseln.
Die steigende Nachfrage nach Leistungshalbleitern für Rechenzentren der Künstlichen Intelligenz (KI) hat Infineon im ersten Quartal des neuen Geschäftsjahres 2025/26 (per 30. September) Rückenwind gegeben. Im Vergleich zum Vorjahreszeitraum erhöhte sich der Umsatz um sieben Prozent auf 3,7 Milliarden Euro. Das Segmentergebnis, also der Gewinn der vier Geschäftsfelder, legte um 14 Prozent auf 655 Millionen Euro zu.
Die positive Entwicklung wurde dabei aber nicht nur vom Bereich Power & Sensor Systems, zu dem das Geschäft mit KI-Chips gehört, getrieben, sondern auch von einer Erholung im Automobilbereich, der größten Sparte des Unternehmens. Der Infineon-Vorstand will die Fertigungskapazitäten für die KI-Leistungshalbleiter beschleunigt ausbauen und im laufenden Geschäftsjahr dafür 2,7 statt 2,2 Milliarden Euro investieren.
Hohe Wachstumserwartungen für KI-Chips
Die Umsätze mit KI-Chips würden voraussichtlich auf 1,5 Milliarden Euro und im Jahr darauf auf 2,5 Milliarden Euro steigen. Im vergangenen Geschäftsjahr 2023/25 waren es noch rund 700 Millionen Euro. „Die sehr dynamische Nachfrage bei KI in einem ansonsten verhaltenen Marktumfeld gibt Infineon kräftigen Rückenwind“, sagte Vorstandsvorsitzender Jochen Hanebeck.
Aktuell steht dabei die Stromversorgung in KI-Rechenzentren im Vordergrund, in den nächsten Jahren werde der Ausbau der Netzinfrastruktur hinzukommen. „Um unsere Kunden bestmöglich zu bedienen, richten wir unsere Fertigungskapazitäten auf eine weiter steigende Nachfrage aus und ziehen unsere Investitionen in diesem Bereich vor“, sagte er.
Im laufenden Jahr erwartet der Vorstand weiterhin einen moderat wachsenden Umsatz, der 2024/25 um zwei Prozent auf 14,7 Milliarden Euro gesunken war. Der Automobilbereich werde aber schwächer zulegen. Hier bremse eine verhaltene Nachfrage im Bereich Elektromobilität. Der Bereich Power & Sensor Systems werde dagegen deutlich schneller als der Konzerndurchschnitt wachsen. Die Übernahme des Sensor-Geschäfts von Ams-Osram ist in dem aktuellen Ausblick noch nicht enthalten.