Wo der Diktator einst auf der Toilette saß, riecht es heute nach Gemüsebrühe. Die Fliesen an der Wand sind noch da, olivgrün mit Blumen. Seine Badewanne ist weg, das Klo, auch die Griffe, an denen sich Enver Hoxha bis kurz vor seinem Tod hochzog. Mitten im Raum steht ein neuer, weißer Tisch, an dem sich Anna Ehrenstein Kaffee in eine Tasse gießt. „Richtig wild“, sagt sie, „dass das Badezimmer eines Massenmörders jetzt unsere Küche ist.“
Kein stalinistischer Diktator in Europa war so lang an der Macht wie Enver Hoxha in Albanien. Er stürzte das Land in Armut, isolierte es vom Rest der Welt und errichtete Foltergefängnisse. Er ließ Tausende Menschen hinrichten – darunter auch Verwandte von Anna Ehrenstein: Fünf ihrer Großonkel wurden ermordet, ihre Großmutter und ihr Onkel gefoltert. Und jetzt sitzt sie hier, eine junge Künstlerin aus Berlin, in der protzigen Villa des toten Kommunisten, mitten in der albanischen Hauptstadt Tirana.