Gabriele Lehnick zittert. Sie sitzt auf einer harten Holzbank in einem unbeheizten Flur des Hamburger Landgerichts. Lehnick trägt ein dünnes Sweatshirt. Ob ihr nicht kalt ist? „Nur innerlich“, sagt sie. Dass ihr Körper die winterlichen Temperaturen nicht mehr wirklich registriert, könnte daran liegen, dass es für sie heute Wichtigeres gibt. Denn heute entscheidet sich, ob Lehnick den Ort, den sie Zuhause nennt, verlieren wird.
Zuhause, das ist für Gabriele Lehnick eine 44‑Quadratmeter‑Wohnung in der Parkallee in Hamburg-Harvestehude. Kein Flur, eine Küche so schmal, dass kein Tisch hineinpasst, ein kleines Bad mit Badewanne, ein Schlafzimmer und ein Wohnraum. Dort liegt, rechts neben dem Esstisch, ein langes Holzboot. Ihr Vater, ein Kapitän, hat es von einer Reise mitgebracht. Heute dient es als Ablage: Brillen, Briefe, Postkarten. Auf einer steht: „Ich habe schon meinen Wunsch ans Universum geschickt: dass du in der Parkallee bleiben kannst.“ Eine Nachbarin hat sie ihr geschrieben.