Kritische Rohstoffe: Rohstoffpolitik erfordert Schnelligkeit und Mut

Deutschland ist eines der wichtigsten Industrieländer der Welt, aber um dies zu bleiben, muss es über eine zuverlässige Rohstoffversorgung verfügen. Dass der neue deutsche Rohstofffonds mit der Unterstützung eines Lithiumprojekts im Rheingraben sein erstes Projekt finanziert hat, ist aus deutscher Sicht erfreulich. Dass das Finanzierungsvehikel nach seiner Ankündigung 2024 erst jetzt in die Umsetzung kommt, ist allerdings bezeichnend.

Im Gegensatz dazu haben die USA in den letzten Monaten direkt Anteile an Unternehmen erworben und planen gemeinsam mit einer Private-Equity-Gesellschaft Investitionen in Höhe von fünf Milliarden Dollar. Auch private Investoren wie Banken zeigen großes Interesse an vielversprechenden Projekten rund um kritische Metalle. Der deutsche Rohstofffonds bleibt dagegen mit einem Investitionsvolumen von einer Milliarde Dollar zögerlich. Selbst Frankreich und Italien investieren gemeinsam mit privaten Partnern jeweils rund doppelt so viel.

Der Bergbau wartet nicht auf deutsche Entscheidungsprozesse

Selbst das Institut der deutschen Wirtschaft (IW) kritisiert die geringe Kapitalausstattung des deutschen Rohstofffonds. Das IW ist zwar keine staatliche Einrichtung der Bundesrepublik, doch diese Uneinigkeit verdeutlicht ein erns­tes Problem des Fonds und der Rohstoffpolitik selbst: Verschiedene Akteure mit sich überschneidenden Zuständigkeiten streiten sich, während es eigentlich schnell gehen müsste, um kritische Rohstoffe zu sichern. Der Streit zwischen dem Bundeswirtschafts- und dem Bundesfinanzministerium über Finanzierungsdetails hat dazu geführt, dass im ersten Jahr nach der Ankündigung kein einziges Projekt genehmigt wurde.

Die Rohstofffinanzierung muss beschleunigt werden, um sicherzustellen, dass die Gelder der deutschen Steuerzahler optimal eingesetzt werden. Späte Finanzierungszusagen verzögern natürlich den Beginn der Rohstoffproduktion, aber diese Verzögerungen schaffen auch ein weniger offensichtliches Problem. Diese schleppenden Prozesse halten die besten Unternehmen davon ab, sich überhaupt um eine Finanzierung zu bewerben.

Almonty ist einer der wenigen verbliebenen westlichen Wolframproduzenten. In den kommenden Wochen eröffnet das Unternehmen in Südkorea die größte westliche Wolframmine seit den 1970er-Jahren. Wir wissen, dass Kapital für außergewöhnliche Rohstoffprojekte heute leicht verfügbar ist. Aber warum sollten Unternehmen, die in der Lage sind, die nächste Supermine für Seltene Erden, Wolfram oder Lithium zu erschließen, sich überhaupt um den langsamen europäischen Förderprozess bewerben, wenn in den USA Finanzmittel leichter verfügbar sind?

Garantien und Bürgschaften sind wichtig

Langsame Verfahren und unzureichende Mittel sind nicht die einzigen Probleme. Im aktuellen Entwurf des Bundeshaushalts sind nur 116,3 Millionen Euro für die Risikoabsicherung vorgesehen, statt der ursprünglich geplanten 272,9 Millionen Euro. Diese Garantien und Bürgschaften sind äußerst wichtig, um potentielle Rohstoffprojekte in produzierende Minen umzuwandeln. Der Grund: Wenn staatliche Akteure Sicherheiten stellen, werden weitere Investitionen aus dem privaten Sektor freigesetzt.

Die Förderung privater Investitionen auf diese Weise ist eine viel bessere Alternative, als dass Staaten zu Anteilseignern von Bergbauunternehmen werden. Rohstoffproduzenten sollten nur ein Ziel verfolgen: die möglichst effiziente Gewinnung von Bodenschätzen unter Einhaltung der Gesetze und Vorschriften. Dies ist viel erfolgreicher, wenn Staaten lediglich Garantien bereitstellen und nicht an den Hauptversammlungen der Rohstoffproduzenten teilnehmen.

Eine gravierende Schwäche des deutschen Rohstofffonds ist der Ausschluss von Projekten in der Frühphase. Dabei handelt es sich um Grundstücke in vielversprechenden Rohstoffregionen, in denen erste Explorationen die Aussicht auf wirtschaftlich nutzbare Rohstoffvorkommen bestätigt haben. In der Regel dauert es mindestens zehn Jahre, bis solche Projekte in der Frühphase zu Minen werden.

Die frühen Phasen eines Rohstoffprojektes sind Teil des Prozesses zum Aufbau einer Mine. Jede Explorationsbohrung oder Ressourcenschätzung ist ein weiteres Puzzleteil, das zum Gesamtbild beiträgt. Ein ambitionierter Rohstofffonds sollte darauf abzielen, gute Projekte so früh wie möglich von schlechten zu unterscheiden, um im Wettlauf um Rohstoffe besser abzuschneiden als konkurrierende Investoren.

Eine starke KfW und klare Prioritäten als letzte Chance

Der deutsche Rohstofffonds setzt auf das Know-how der Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW), die bereits die Sangdong-Wolframmine von Almonty in Südkorea finanziert hat. Sie ist durchaus in der Lage, in Projekte in der Frühphase zu investieren. Die KfW ist ein gründlicher und äußerst kompetenter Finanzierungspartner. Mit ihrer Expertise im Bergbau ist die KfW entscheidend für den Erfolg des deutschen Rohstofffonds.

Alle beteiligten staatlichen Akteure müssen sich dem Ziel der Rohstoffsicherung unterordnen. Schnellere Entscheidungen, gepaart mit Mut und Fachwissen, werden der wichtigste Faktor im globalen Wettlauf um Rohstoffe sein.

Lewis Black ist Vorstandsvorsitzender des amerikanischen Bergbaukonzerns und Wolframproduzenten Almonty Industries.

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