Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) hat am Mittwoch in der Regierungsbefragung im Bundestag von einer „explodierenden Gewalt“ in der Gesellschaft gesprochen, „im analogen wie im digitalen Raum“. Man müsse, so Merz, daher über die Ursachen sprechen, „wo die Gewalt herkommt“. Und da müsse man sehen, dass „ein beachtlicher Teil der Gewalt“ aus den Gruppen der Zuwanderer komme. Hat er recht?
Tatsächlich hat die Gewaltkriminalität 2024 laut Bundeskriminalamt (BKA) seit 2007 einen „neuen Höchststand“ erreicht. Die Zahlen der Polizeilichen Kriminalstatistik (PKS) für 2025 sind noch nicht veröffentlicht und werden in Kürze vorgestellt.
Unter Gewaltkriminalität fallen Delikte wie Mord, Totschlag, Vergewaltigung, Raub und Körperverletzung. Rund 218.000 Gewalttaten wurden 2024 in der PKS insgesamt registriert, das ist eine Zunahme von 1,5 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Zu beklagen ist ein seit Jahren andauerndes hohes Niveau. Die Zunahme beträgt zudem in absoluten Zahlen zusätzliche 3178 Gewalttaten. Allein der Anteil der als „Messerangriff“ erfassten Taten bei der gefährlichen und schweren Körperverletzung ist im Vergleich zu 2023 um rund elf Prozent angestiegen.
Nichtdeutsche Tatverdächtige überrepräsentiert
Für einen „beachtlichen Teil der Gewalt“ sind, wie Merz es sagt, die „Gruppen der Zuwanderer“ verantwortlich. Allerdings nur dann, wenn man unterstellt, dass Merz damit generell „nichtdeutsche Tatverdächtige“ gemeint hat. Laut BKA hat die Gewaltkriminalität, für die im Jahr 2024 nichtdeutsche Tatverdächtige verantwortlich waren, um 7,5 Prozent im Vergleich zum Vorjahr zugenommen. In absoluten Zahlen waren es rund 85.000 nichtdeutsche Tatverdächtige.
Einige Bundesländer haben schon ihre Zahlen in puncto Gewaltkriminalität für 2025 präsentiert. Ein Blick auf Bayern zeigt, dass die Einschätzung von Merz dort auch für das Jahr 2025 zutrifft: Der Anteil nichtdeutscher Tatverdächtiger im Bereich der Gewaltkriminalität liegt bei 48,2 Prozent. Der Anteil umfasst damit fast die Hälfte aller Tatverdächtigen bei Gewalttaten, was durchaus als „beachtlich“ gelten kann. Vor allem, wenn man den Anteil der nichtdeutschen Bevölkerung an der Gesamtbevölkerung in Bayern zugrunde legt: Der beträgt rund 15,6 Prozent.
Die Gewaltkriminalität hat im Freistaat Bayern im Jahr 2025 leicht abgenommen, bewegt sich allerdings mit 21.667 Straftaten seit 2016 (von den Corona-Jahren abgesehen) auf einem konstant hohen Niveau von im Durchschnitt rund 21.000 Taten.
Insgesamt sind nichtdeutsche Tatverdächtige in der Kriminalstatistik des BKA überrepräsentiert. Rund 700.000 nichtdeutsche Tatverdächtige führt die PKS für alle Straftaten für das Jahr 2024 auf – im Vergleich zu 1.270.000 deutschen Tatverdächtigen. Der Anteil der nichtdeutschen Tatverdächtigen an allen Tatverdächtigen hat 2024 abermals leicht zugenommen und sich auf 35,4 Prozent erhöht. Damit sind nichtdeutsche Tatverdächtige überproportional häufig in der Statistik vertreten – ihr Anteil an der Wohnbevölkerung beträgt nur rund 15 Prozent.
Auch Auffälligkeit bei häuslicher Gewalt
Das gilt ebenso, wenn man sich nur die Gruppe der Zuwanderer anschaut. Darunter fallen laut BKA unter anderem Asylbewerber, Geduldete oder Kontingentflüchtlinge. Es wurden 2024 rund 172.000 tatverdächtige Zuwanderer registriert, das entspricht einem Anteil an allen Tatverdächtigen von 8,8 Prozent. Zwar sind die Zahlen der tatverdächtigen Zuwanderer 2024 in der PKS leicht zurückgegangen im Vergleich zum Vorjahr: Laut BKA ist dies jedoch maßgeblich auf die Cannabis-Teillegalisierung zurückzuführen.
Der „Deliktschwerpunkt“ der Zuwanderer betrug demnach Diebstahlsdelikte. Doch ihr Anteil an den Straftaten gegen das Leben lag mit 12,2 Prozent sogar höher als ihr Anteil an der Gesamtzahl aller Tatverdächtigen (8,8 Prozent). Zugenommen hat 2024 auch um rund fünf Prozent die Zahl der Fälle von Rohheitsdelikten und Straftaten gegen die persönliche Freiheit, bei denen Zuwanderer Tatverdächtige sind: Rund 84.000 Taten wurden 2024 registriert.
Da es bei der Auseinandersetzung im Bundestag vor allem auch um Gewalt gegen Frauen ging, ist der Blick auf das Bundeslagebild Häusliche Gewalt 2024 des BKA interessant. Besonders Politiker und Politikerinnen der Grünen haben bei der Stadtbild-Diskussion zurecht immer wieder darauf verwiesen, dass vor allem das private Umfeld für Frauen ein gefährlicher Ort ist. Laut BKA gab es 2024 rund 77.000 nichtdeutsche Tatverdächtige – und rund 140.000 deutsche Tatverdächtige (ohne Aufschlüsselung nach Migrationshintergrund).
Somit haben rund 36 Prozent der Tatverdächtigen im Bereich der Häuslichen Gewalt keine deutsche Staatsangehörigkeit. Setzt man diese Zahl wieder mit dem Anteil der Ausländer an der Gesamtbevölkerung in Relation – 15 Prozent – fällt auch bei der Häuslichen Gewalt der überproportionale große oder auch „beachtliche“ Anteil an Nichtdeutschen auf.
Source: faz.net