Ukrainer sollen in Schleswig-Holstein Abwehrkampf lehren
Allein 2025 sind laut Prokudin rund 97.000 russische Drohnen in sein Gebiet geflogen, von denen etwa 96 Prozent abgewehrt werden konnten. Cherson habe „einmalige Erfahrungen“ in dem Krieg gesammelt: bei der Drohnenabwehr, der Evakuierung der Bevölkerung, der Ersten Hilfe, wenn Krankenhäuser nicht mehr funktionierten sowie bei der Frage, wie das Militär operiere, wenn der Strom ausfalle. Diese Erfahrungen könne man weitergeben.
Auf die Frage, wie gut vorbereitet Deutschland etwa auf massive Sabotageakte infolge eines möglichen russischen Angriffs auf das Baltikum sei, antwortete Prokudin: Deutschland und Europa seien „überhaupt nicht“ vorbereitet. Das habe auch die nun bekannt gewordene Simulation gezeigt, bei der zehn ukrainische Soldaten innerhalb von zwei Stunden in Estland zwei NATO-Bataillone vollständig niedergeschlagen hätten.
„Der Krieg ist nicht weit weg“, so Prokudin. Ein Szenario für Kiel sei, dass eine „Mutterdrohne“ in die Förde eindringe und dort viele weitere Drohnen loslassen könne, die dann militärische und zivile Infrastruktur angriffen. So gehe Russland in der Ukraine vor. „Bereitet euch vor. Der Feind spürt, wenn die andere Seite bereit ist, das hat eine Abschreckungswirkung.“
Am Dienstag ging in Kiel eine zweitägige Sicherheitskonferenz zu Ende, an der neben Prokudin und anderen Vertretern des Gebiets Cherson auch Vertreter von Bundeswehr, Polizei und Katastrophenschutz teilnahmen. Die Erfahrungen aus der Ukraine seien eindrücklich gewesen, sagte Ministerpräsident Günther. Es sei „noch eine Menge zu tun“, bis Deutschland wirklich abwehrbereit sei.
Source: faz.net