Krieg in Nahost: Israel will Libanon solange bis Litani-Fluss kontrollieren

Stand: 24.03.2026 • 15:41 Uhr

Israels Verteidigungsminister hat angekündigt, die Kontrolle über libanesisches Gebiet bis zum Litani-Fluss übernehmen zu wollen. Zuvor hatte das israelische Militär mehrere Brücken gesprengt. Damit soll der Hisbollah der Weg abgeschnitten werden.

Israel will nach Angaben des Verteidigungsministers bis auf weiteres das Gebiet bis zum Litani-Fluss im Südlibanon kontrollieren. „Alle Brücken über den Litani, die von der Hisbollah für den Transport von Kämpfern und Waffen genutzt wurden, wurden gesprengt“, sagte Israel Katz nach Angaben seines Büros bei einer Beratung mit Militärs in Tel Aviv.

Die israelische Armee werde nun die Kontrolle über die übrigen Brücken und das Gebiet bis zum Litani, das er als „Sicherheitszone“ bezeichnet, übernehmen.

Die israelische Regierung will nach eigenen Angaben die Kontrolle über das Gebiet südlich des Litani-Flusses übernehmen.

Katz: Bewohner können nicht zurückkehren

Die Bodentruppen würden weiter in den Libanon vorstoßen, um gegen die mit Iran verbündete libanesische Hisbollah-Miliz vorzugehen, kündigte Katz an. Wo im Libanon die israelischen Truppen genau stehen, ist unklar, da Israel keine Angaben dazu macht.

Hunderttausende Bewohner des Südlibanon, die nach Norden geflohen waren, können Katz zufolge nicht in das Gebiet südlich des Litani-Flusses zurückkehren. Das sei erst wieder möglich, wenn „die Sicherheit der Bewohner des Nordens gewährleistet ist“, sagte er mit Bezug auf den Norden Israels.

Der libanesische Präsident Joseph Aoun zeigte sich schon am Sonntag alarmiert angesichts der israelischen Angriffswelle. Die Attacken auf Brücken seien eine gefährliche Eskalation, erklärte Aoun. Er verurteilte die „Zerstörung von Infrastruktur und lebenswichtigen Einrichtungen im Südlibanon“. Die Angriffe stellten eine „eklatante Verletzung der Souveränität des Libanon“ dar.

Die mit Iran verbündete schiitische Hisbollah-Miliz im Libanon kündigte Widerstand gegen die von Israel geplante Besetzung des südlichen Libanon an. Eine solche Besetzung würde eine existenzielle Bedrohung für den Libanon als Staat darstellen, sagt der Hisbollah-Abgeordnete Hassan Fadlallah der Nachrichtenagentur Reuters.

Smotrich fordert neue Grenze

Der israelische Finanzminister Bezalel Smotrich hatte sich gestern dafür ausgesprochen, das Gebiet bis zum Litani-Fluss im Südlibanon zu einer „sterilen Sicherheitszone“ zu machen. Der Litani-Fluss müsse Israels neue Grenze zum Libanon darstellen, forderte er. Smotrich gehört einer rechts-religiösen Partei an und verantwortet auch den Ausbau von Siedlungen im Westjordanland. Mehrere westliche Staaten haben Sanktionen gegen ihn verhängt. Ein Vorwurf ist, dass er zu schwerwiegenden Verstößen gegen die Rechte der Palästinenser aufruft.

Nach einem etwa einjährigen Krieg zwischen Israel und der Hisbollah war im November 2024 eine Waffenruhe vereinbart worden. Die Vereinbarung sah auch vor, dass sich die Hisbollah hinter den Litani-Fluss etwa 30 Kilometer nördlich der israelisch-libanesischen Grenze zurückzieht. Beide Seite warfen sich aber regelmäßig Verstöße vor.

Source: tagesschau.de