Krieg im Nahen Osten: North Atlantic Treaty Organization fängt iranische Rakete ab

Stand: 04.03.2026 • 17:16 Uhr

Eine iranische Rakete ist nahe dem türkischen Luftraum abgeschossen worden – die NATO geht von einem absichtlichen Beschuss der Türkei aus. Dass deshalb der Bündnisfall ausgerufen wird, ist dennoch unwahrscheinlich.

Eine aus Iran abgeschossene und in Richtung des türkischen Luftraums fliegende Rakete ist von einem NATO-Abwehrsystem zerstört worden. Wie das Verteidigungsministerium in Ankara mitteilte, wurde die Rakete im östlichen Mittelmeerraum abgefangen. Das ballistische Geschoss sei in Richtung des türkischen Luftraums unterwegs gewesen und habe den Luftraum des Irak durchquert.

Die NATO geht davon aus, dass Iran die Rakete absichtlich auf das Bündnismitglied Türkei abgefeuert hat. „Wir verurteilen, dass Iran die Türkei ins Visier nimmt“, teilte NATO-Sprecherin Allison Hart mit. Sie betonte, die NATO stehe fest an der Seite aller Bündnispartner und verwies auf die Unterstützung im Bereich der Luftverteidigung und Raketenabwehr.

Ein türkischer Regierungsvertreter hatte zuvor mitgeteilt, die Rakete sei lediglich „vom Kurs abgekommen“ und habe offenbar nicht das NATO-Mitglied Türkei zum Ziel gehabt, sondern eine Militärbasis auf Zypern.

Ankara warnt Iran vor Ausweitung des Krieges

Das türkische Außenministerium hatte zunächst im Onlinedienst X mitgeteilt, dass sich die ballistische Rakete aus Iran dem türkischen Luftraum genähert habe, nachdem sie Irak und Syrien überflogen habe. Es habe „weder Opfer noch Verletzte“ gegeben. Laut dem Ministerium fiel im Bezirk Dörtyol in der südlichen Provinz Hatay ein Trümmerteil eines Abwehrgeschosses herab.

Ankara warnte die Führung der Islamischen Republik vor einer Ausweitung des Krieges. Das türkische Präsidialamt erklärte auf X, „jede feindselige Handlung“ werde im Rahmen des Völkerrechts „angemessen beantwortet“. Die Türkei teilt mit Iran eine rund 500 Kilometer lange Grenze.

NATO-Bündnisfall unwahrscheinlich

Dass die NATO zur Konfliktpartei wird, gilt trotz des Raketenbeschusses der Türkei als äußerst unwahrscheinlich. Generalsekretär Mark Rutte hatte am Dienstag in einem Interview des ARD-Studios Brüssel zur Frage nach einer möglichen Bündnisbeteiligung an dem Krieg gesagt, es gebe absolut niemanden, der glaube, dass die NATO daran beteiligt werde.

„Das ist Iran, das ist der Golf, das ist außerhalb des NATO-Gebiets“, erklärte Rutte mit Blick auf den Geltungsbereich der Beistandsklausel des Bündnisses. Hinzu kommt, dass alle Mitgliedstaaten einem Bündniseinsatz zustimmen müssten.

Erdogan warnt vor Flächenbrand

Die Türkei verhält sich im Krieg gegen Iran neutral und hat sich lange um eine diplomatische Lösung des Konflikts bemüht. Der türkische Präsident Recep Tayyip Erdoğan hatte sich am Wochenende besorgt über die amerikanisch-israelischen Angriffe auf Iran gezeigt und alle Seiten zur Zurückhaltung aufgerufen. Der Nahe Osten könne zu einem „Feuerring“ werden, sollte der Konflikt nicht eingedämmt werden, warnte er.

In der Türkei sind auch US-Soldaten stationiert. Der wichtigste NATO-Luftwaffenstützpunkt im Land ist in Incirlik in der südtürkischen Provinz Adana. Nach US-Angaben sind dort rund 1.500 Militärangehörige stationiert. Der Stützpunkt gilt als wichtiges Drehkreuz für die NATO in der Region.

Source: tagesschau.de