Inmitten der laufenden Ukraine-Gespräche in Abu Dhabi hat das russische Militär erneut Luftangriffe auf Kyjiw und andere ukrainische Städte geflogen. Bei Angriffen in der ukrainischen Hauptstadt sowie in der ostukrainischen Region Charkiw wurden nach Behördenangaben mindestens ein Mensch getötet und 23 weitere verletzt. Die ukrainische Luftwaffe und das Nachrichtenportal The Kyiv Independent meldeten nach Mitternacht, Kyjiw stehe schwer unter Beschuss. In mehreren Stadtteilen schlugen nach Behördenangaben Drohnen und Raketen ein.
„Kyjiw wird vom Feind massiv angegriffen. Verlassen Sie die Schutzräume nicht“, schrieb Kyjiw Bürgermeister Vitali Klitschko am frühen Morgen auf Telegram. Es seien mehrere Gebäude getroffen worden, bei denen es sich jedoch nicht um Wohngebäude handele. In einem späteren Beitrag schrieb Klitschko: „Bisher ist bekannt, dass eine Person ums Leben gekommen ist und vier weitere verletzt wurden“. In mehreren von Drohnentrümmern getroffenen Gebäuden sei Feuer ausgebrochen. Zudem sei die Wärme- und Wasserversorgung in Teilen der Hauptstadt unterbrochen. Klitschko sprach von etwa 6.000 Gebäuden, die ohne Strom seien. Die Außentemperatur in Kyjiw lag am Morgen bei minus zwölf Grad.
Schwerste humanitäre Krise seit Kriegsbeginn
Der Bürgermeister von Charkiw, Ihor Terechow, informierte im Onlinedienst Telegram über einen Angriff mit Schahed-Drohnen aus iranischer Produktion, der mehrere Wohngebäude in zwei Stadtteilen nahe der russischen Grenze beschädigt habe. Nach seinen Angaben wurden dort mindestens 19 Menschen verletzt. Mehrere Krankenhäuser und Wohngebäude seien beschädigt, manche Opfer unter Gebäudetrümmern eingeschlossen worden. Nach Angaben von Gouverneur Oleh Synjehubow sind unter den Verletzten eine Schwangere und ein Kind.
Am Morgen meldeten auch die Behörden der nordukrainischen Stadt Tschernihiw einen schweren Angriff auf Energieanlagen. Fast in der gesamten Stadt sei der Strom ausgefallen, teilte der Pressedienst des Stadtparlaments mit. Die Umstellung auf Reservekapazitäten werde einige Zeit in Anspruch nehmen.
Russland beschießt systematisch Energieobjekte in der Ukraine. Für die Ukrainer ist in diesem besonders kalten Winter damit die bislang schwerste humanitäre Krise seit Kriegsbeginn ausgebrochen.
Der russische Beschuss ukrainischer Infrastruktur führt dazu, dass die Menschen das Land nicht nur wegen der Sicherheitslage, sondern auch den Mangel an Strom, Heizung oder Wasser als ausschlaggebende Fluchtgründe nennen. Das teilte ein Sprecher des Flüchtlingshilfswerks der Vereinten Nationen (UNHCR) dem RedaktionsNetzwerk Deutschland (RND) mit. Nach Deutschland kommen laut Bundesamt für Migration und Flüchtlinge derzeit mindestens 2.000 Ukrainerinnen und Ukrainer pro Woche.