Bei massiven russischen Angriffen in der Ukraine sind in der vergangenen Nacht mindestens 18 Menschen getötet und mehr als hundert verletzt worden. Eine weitere Nacht habe bewiesen, dass Russland keine Lockerung der globalen Politik oder die Aufhebung von Sanktionen verdiene, schrieb der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj in sozialen Medien.
Selenskyj hatte zuvor bei einer Europareise neue Zusagen für militärische Hilfen der westlichen Staaten erhalten. Die Unterstützerstaaten Kyjiws hatten bei einer Sitzung der Ukraine-Kontaktgruppe in Berlin ihren weiteren Beistand zugesagt. An dem Treffen der sogenannten Ukraine Defence Contact Group (UDCG) nahmen auch Bundesverteidigungsminister Boris Pistorius (SPD) und der ukrainische Verteidigungsminister Mychajlo Fedorow persönlich teil. Die Ukraine könne sich auf Deutschland verlassen, versicherte Pistorius. Großbritannien sagte der Ukraine die Lieferung von 120.000 Drohnen für den Kampf gegen Russland zu.
Russland kritisiert die westlichen Waffenlieferungen als Eskalation. Als Antwort auf die Unterstützung westlicher Staaten attackierte es in mehreren Wellen Regionen des Nachbarlandes. Selenskyj sprach unter Berufung auf die Luftwaffe von fast 700 Drohnen sowie von Raketen und Marschflugkörpern, die Russland seit dem Vortag eingesetzt habe.
Neun Tote in der Hafenstadt Odessa
In der Hafenstadt Odessa am Schwarzen Meer kamen mindestens neun Menschen ums Leben, wie Gouverneur Oleh Kiper mitteilte. Verletzt wurden demnach 23 Personen. Russland habe in mehreren Wellen mit Raketen und Drohnen angegriffen.
In der Hauptstadt Kyjiw wurden vier Menschen getötet, darunter ein zwölfjähriger Junge, wie die städtische Staatsanwaltschaft mitteilte. Außerdem gab es mindestens 54 Verletzte. Schäden wurden an Mehrfamilienhäusern, einem Hotel, einem Bürokomplex, einem Autohaus, einer Tankstelle und einem Einkaufszentrum festgestellt.
In der ostukrainischen Region Dnipropetrowsk kamen bei den russischen Angriffen mit Drohnen, Artillerie und Raketen nach Angaben von Gouverneur Olexander Hanscha vier Menschen ums Leben, 34 wurden verletzt. In der ostukrainischen Region Charkiw berichtete Gouverneur Oleh Synjehubow von einem Toten und sechs Verletzten in der Stadt Merefa durch Drohnenbeschuss.
Russland zählt mehr als 200 ukrainische Drohnenangriffe
EU-Ratspräsident António Costa sprach den Verwundeten und den Familien der Opfer der »ungeheuerlichen Angriffe« sein Mitgefühl aus. »Russlands Angriffskrieg gegen die Ukraine ist gescheitert, und deshalb greift es nun bewusst zur Terrorisierung der Zivilbevölkerung an«, schrieb Costa auf der Plattform X. »Russland muss diesen Terrorkrieg beenden. Wir werden unsere standhafte Unterstützung für die Ukraine aufrechterhalten, während sie sich gegen die russische Aggression verteidigt.«
Das Verteidigungsministerium in Moskau teilt mit, dass mehr als 200 ukrainische Drohnenangriffe auf russische Ziele abgewehrt wurden. In der russischen Region Krasnodar am Schwarzen Meer gab es nach Aussagen von Gouverneur Weniamin Kondratjew bei ukrainischen Drohnenangriffen zwei Tote, darunter ein 14-Jähriger. Im Landkreis Tuapse sei der Notstand ausgerufen worden. Drohnenträger beschädigten nach Angaben von Gouverneur Kondratjew Wohngebäude, zwei Bildungseinrichtungen und eine Musikschule. Trümmer seien auch auf dem Gelände einer Fabrik im Hafengebiet gefallen.
»In Noworossijk ist auf einem zivilen Schiff ein Feuer durch Drohnenträger entstanden, aber schnell gelöscht worden«, teilte Kondratjew außerdem mit. Am Schwarzen Meer sind Noworossijsk und Tuapse die wichtigsten Häfen für den russischen Ölexport. In Tuapse gibt es auch eine große Raffinerie.
Keine der Angaben lassen sich von unabhängiger Seite überprüfen.