Ein Gutes hat der Streit zwischen SPD und Union über den Sozialstaat: Endlich wird auch mal über Grundsätzliches gesprochen. Zum Beispiel über die Frage, ob sich Privatversicherte nicht stärker an den Gesundheitskosten der Allgemeinheit beteiligen sollten. Das nämlich fordert jetzt die SPD.
Geht es nach ihr, sollte es bald eine Gesundheitsabgabe auf Kapital- und Mieteinkünfte geben. Zahlen müssten diese Abgabe vermögende Menschen und damit in erster Linie die Privatversicherten.
Es ist ein provokanter Vorschlag, der rechtlich zu prüfen wäre – aber durchaus Charme hat. Ja, das wäre eine Umverteilung. Aber wohl in kaum einem anderen Bereich macht sie so viel Sinn wie bei der Gesundheit. Jeder Bürger und jede Bürgerin sollte unabhängig vom Einkommen gleichermaßen Zugang zu Kliniken und Ärzten haben. Bislang haben in Deutschland Privatversicherte aber klare Vorteile. Sie bekommen sehr viel schneller einen Termin,
was viele aus guten Gründen als ungerecht empfinden. Eine Umverteilung von Reich zu Arm findet hingegen nur innerhalb der gesetzlichen Krankenversicherung statt, wo die Beiträge vom Einkommen abhängen und Besserverdiener für Geringverdiener mitzahlen.