Es wäre an sich ein guter Stoff für eine Netflix-Serie: Eine Finanzbeamtin schwört Rache, nachdem sie von ihren männlichen Kollegen ausgebootet wird. Zuerst geht es nur um einen Job, aber mit der Zeit wird die Sache immer größer. Nach und nach erkennt sie, wie mächtig die Hintermänner sind, die hier involviert sind.
Schließlich wird daraus eine Affäre, die tief hineinreicht in das Machtzentrum der Republik. Und ein Prozess, der das Zeug hat, in die Geschichte des Landes einzugehen.
Aber: Die Geschichte ist keine ausgedachte TV-Serie, sondern Realität: Ab kommendem Mittwoch, dem 11. Februar, wird der Fall vor dem Linzer Landesgericht verhandelt. Ausgelöst von der 70-jährigen Christa Scharf, einer mittlerweile pensionierten Finanzbeamtin in Braunau am Inn, die sich nur gegen eine ungerechte Postenbesetzung für die Leitung des örtlichen Finanzamts wehren wollte. Keine große Sache, sondern Routine in einem Staat, in dem jährlich Tausende neue Stellen besetzt werden müssen. Aber inzwischen ist es eine Causa, in der sogar August Wöginger, einem der mächtigsten Politiker des Landes und Klubobmann der ÖVP im Nationalrat, „Missbrauch der Amtsgewalt“ vorgeworfen wird. Aber es ist noch etwas anderes, was neben Wöginger und den zwei anderen Angeklagten, die den Posten vor mittlerweile neun Jahren vergaben, vor Gericht steht: die österreichische Freunderlwirtschaft.