Konservative-Parteitag: Warum kommt Merkel diesmal?

Kaum hatte Angela Merkel bestätigt, dass sie zum ersten Mal als Kanzlerin a.D. auf einem CDU-Parteitag erscheinen würde, ging das Rätselraten los. Immer war sie, die nicht nur ehemalige Regierungschefin, sondern auch einstige CDU-Vorsitzende, eingeladen worden. Bisher hatte sie abgesagt. Nun kommt sie also nach Stuttgart. Ausdrücklich will sie bleiben, bis Friedrich Merz, ihr Nachnachfolger als Kanzler, an diesem Freitag wieder zum CDU-Vorsitzenden gewählt worden ist. Warum tut sie das?

Die weniger wohlmeinende Interpretation lautet, ihre einigen Parteifreunden ohnehin auf die Nerven gehende Neigung, nach einer nicht allzu langen Pause wieder intensiv öffentlich aufzutreten, wolle sie nun auch auf dem Delegiertentreffen in Stuttgart ausleben. Die positive Interpretation sieht in Merkels Anwesenheit eine Unterstützung für Merz.

Die Partei, „der ich nahestehe“

Immerhin soll es in der CDU und deren Wählerschaft noch diejenigen geben, die nicht alles schlecht fanden, was Merkel gemacht hat. Diese könnten sich also freuen, wenn Merkel erscheint – und mutmaßlich auch zur Rede von Merz vor seiner Wahl den ein oder anderen Beifall spendet. Die Merz-Ultras wiederum werden genau das nicht mögen.

Schon dieses eine, kurze Erscheinen von Merkel auf dem Parteitag zeigt, wie kompliziert das Verhältnis von ihr zur CDU ist. Das lässt sich nicht einmal dann bestreiten, wenn man ihren Satz zum Ende ihrer Kanzlerschaft, die CDU sei die Partei, „der ich nahestehe“, als Versprecher durchgehen lässt.

Die 1954 in Hamburg geborene, dann aber als Kleinkind mit ihren Eltern in die DDR gekommene Angela Kasner, die bis heute den Nachnamen ihres ersten Ehemannes, Ulrich Merkel, trägt, hat sich nach dem Mauerfall beim Demokratischen Aufbruch engagiert. Als dieser der westdeutschen CDU beitrat, wurde auch Merkel Christdemokratin. Als Mitglied der Jungen Union ist sie nicht in ihr aufgewachsen. Aber sie lernte schnell, die Mechanismen der CDU zu lesen.

Eine Fehleinschätzung reichte dazu. Nachdem es ihr 1991 nicht gelungen war, brandenburgische CDU-Vorsitzende zu werden, weil ihr westdeutscher Gegenkandidat besser vorbereitet war, sollte sie nicht wieder scheitern, wenn sie in der Partei etwas werden wollte. Schon im Jahr 2000 wurde sie Bundesvorsitzende. Als sie 18 Jahre später spürte, dass sie an Rückhalt verlor, zog sie sich vom Parteivorsitz zurück. Scheitern wollte sie nicht.

Merkel werde, so teilte ihr Büro mit, auf dem Parteitag in Stuttgart keine Rede halten. Das deutet darauf hin, dass sie nicht in provokativer Absicht kommt. Würde sie sprechen, wäre es unumgänglich, dass ihre und die Rede des Vorsitzenden Merz Stück für Stück miteinander verglichen würden.

Source: faz.net