Wegen der Folgen des Irankriegs haben die führenden Wirtschaftsforschungsinstitute ihre Prognosen für die deutsche Konjunktur mehr als halbiert. Für dieses Jahr rechnen sie nur noch mit einem Anstieg des Bruttoinlandsproduktes von 0,6 Prozent, wie aus der Gemeinschaftsdiagnose für die Bundesregierung hervorgeht. Vor rund einem halben Jahr hatten sie noch mit einem Plus von 1,3 Prozent gerechnet. Für 2027 wird laut Gutachten ein Plus von 0,9 Prozent erwartet.
„Der Energiepreisschock im Zuge des
Irankrieges trifft die Erholung hart“, sagte der Konjunkturchef des Münchner ifo-Instituts, Timo Wollmershäuser. Gleichzeitig stützten jedoch die Maßnahmen der Politik die Binnenwirtschaft und verhinderten ein noch stärkeres Abrutschen.
Forscher gegen Eingriff in Energiepreise
Mit Blick auf die Energiekosten sprechen sich
die Forschenden gegen staatliche Eingriffe für kurzfristig niedrigere Preise aus. Damit würden „wichtige Marktsignale außer Kraft
gesetzt“, teilten sie mit. Stattdessen sollte es „zielgerichtete soziale
Ausgleichsmaßnahmen“ geben.
Die Institute rechnen zudem mit einer höheren
Inflationsrate. Für das laufende Jahr erwarten sie einen Anstieg der
Verbraucherpreise um durchschnittlich 2,8 Prozent. 2027 soll die
Inflationsrate demnach auf 2,9 Prozent steigen. Das wiederum dämpfe den privaten
Konsum.
Reiche fordert Strukturreformen
„Die Botschaft der Frühjahrsdiagnose der
Forschungsinstitute ist eindeutig: Der Konflikt im Nahen Osten erhöht
den Druck auf die deutsche Politik, Strukturreformen konsequent
anzugehen“, sagte Bundeswirtschaftsministerin Katherina Reiche (CDU).
„Die Wachstumsaussichten sind deutlich schwächer als noch zuvor
erwartet.“ Es brauche nun „mutige Reformen“.
An der Frühjahrs-Gemeinschaftsdiagnose sind das ifo-Institut München in Kooperation mit dem Österreichischen Institut
für Wirtschaftsforschung Wien, das Deutsche Institut für
Wirtschaftsforschung Berlin, das Leibniz-Institut für
Wirtschaftsforschung Halle, das Kiel Institut für Weltwirtschaft und das
RWI Leibniz-Institut für Wirtschaftsforschung in Essen beteiligt. Ihr
Gutachten dient der Bundesregierung als Grundlage für ihre eigene
Prognose, die laut Wirtschaftsministerium am 22. April vorgestellt wird.
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