Die Salzburger Festspiele gelten als eines der bedeutendsten Kulturfestivals der Welt. Doch ein Streit zwischen dem langjährigen Intendanten und dem Kuratorium droht das Ansehen zu beschädigen.
Viele halten die Salzburger Festspiele für das weltweit wichtigste Kulturfestival – und tatsächlich gibt es kaum einen anderen Ort, an dem sich jeden Sommer so viele internationale Gäste einfinden. Spötter behaupten, ohne die Festspiele wäre Salzburg eine eher mäßig bedeutsame Provinzstadt, die nur einen gewissen Wolfgang Amadeus Mozart im Köcher hat, das liebevolle Adventsingen oder Bustouren zu den Schauplätzen des vor allem in den USA Kultstatus genießenden Films „The Sound of Music“.
Seit 2016 führt der studierte Pianist Markus Hinterhäuser die künstlerischen Geschicke der Festspiele. Er war dort schon lange vorher tätig, etwa als Konzertchef. Und Hinterhäuser ist ein Menschenfischer, der auch – vermeintlich – Sperriges dem Publikum gut vermitteln kann. Fast immer heißt es im Sommer: ausverkauft!
Zerstörtes Vertrauen
Mit den Jahren ist Hinterhäuser selbst ein bisschen sperrig geworden, es fällt da gerne mal ein lautes Wort gegenüber Mitarbeitenden oder auch öffentlich. Und genau dies stört das Kuratorium der Festspiele, in dem unter anderem Salzburgs Bürgermeister Bernhard Auinger (SPÖ), Landeshauptfrau Karoline Edtstadler (ÖVP), aber auch Vertreter aus Wien und verschiedenen Gremien sitzen.
Das Kuratorium hatte Hinterhäusers in diesem September auslaufenden Vertrag eigentlich schon bis 2031 verlängert – mit einer beidseitigen Ausstiegsoption 2029. Doch vor einigen Wochen überraschte es mit der Nachricht, das Vertrauen sei zerstört – auch weil Hinterhäuser angeblich am Kuratorium vorbei eine neue Schauspielchefin etablieren wollte, was jedoch eher ein Kommunikationsproblem war -, man habe dem Intendanten ein Angebot gemacht. Dabei handelte es sich um eine Verlängerung lediglich bis 2027. Hinterhäuser sollte sich bis 13. März dazu äußern, doch er schwieg und übergab die Sache seinen Anwälten.
Abgetauchte Festspielpräsidentin
Am 20. März tagte nun das Kuratorium erneut. Und leider muss man von einem echten Scherbenhaufen sprechen, der sich nur schwer aufkehren oder gar kitten lassen dürfte. Denn solch ein großes Festival braucht planungstechnisch lange Vorlaufzeiten, es benötigt eine Figur, die den „Laden“ zusammenhält und repräsentiert.
Es ist schon richtig, dass Hinterhäuser in letzter Zeit nicht immer glücklich agierte, sich etwa mit der Kurzzeitschauspielchefin Marina Davydova öffentlichkeitswirksam überwarf, Mitglieder des Kuratoriums beschimpfte, sich ein bisschen zu sehr als Sonnenkönig fühlte. Längst hätte man da einschreiten können und sollen, durch den Versuch einer Mediation oder vielleicht auch, indem man dem Intendanten jemanden für bestimmte Organisationsaufgaben zur Seite gestellt hätte. Die frühere Festspielpräsidentin Helga Rabl-Stadler war so jemand, mit ihrer Nachfolgerin Kristina Hammer kommt Hinterhäuser überhaupt nicht klar und in der aktuellen Krise ist Hammer schlicht abgetaucht.
Juristische Sorgen
Was nun? Karoline Edtstadler und ihre Mitstreiter sprechen von einem (Gesprächs-)Angebot an Hinterhäuser. Aber gab es das nicht längst? Zu vermuten ist eher, dass man sich sorgt, Hinterhäuser bekäme juristisch Recht und man müsste ihn ausbezahlen. Die Festspiele stünden ohne ihn erstmal führungslos da, weil auch die ins Spiel gebrachten Namen für eine Nachfolge entweder nicht sofort frei sind und/oder Pläne Hinterhäusers für die nächsten Jahre ausführen müssten. Da sind mit Sicherheit schon die meisten Verträge unter Dach und Fach.
Hinzu kommt noch der dringend notwendige Um- und Ausbau des Festspielbezirks. Bürgermeister Auinger sprach von Zuständen, die nicht einmal einer Jugendherberge würdig seien. Aus Wien hört man, dass sich in die Planungen allerdings der Rechnungshof eingeschaltet hat, außerdem gibt es in der Salzburger Lokalpolitik auch einigen Widerstand.
Unerklärliche Zukunftseuphorie
So ist jetzt vieles offen und keine Klärung in Sicht. Das Kuratorium zieht sich auf Floskeln zurück, spricht von der immensen Bedeutung der Festspiele und verströmt Zukunftseuphorie. Wo diese herkommt oder wie sie sich begründen lässt, bleibt rätselhaft. Der Idealfall wäre vermutlich, Hinterhäuser bis 2029 walten zu lassen und ihm den schon angesprochenen Jemand zur Seite zu stellen.
Source: tagesschau.de