Bei der Sudan-Konferenz in Berlin war von Anfang an klar, dass die Messlatte für einen Erfolg nicht besonders hoch liegen kann. Genau drei Jahre dauert der Bürgerkrieg nun schon an, die Positionen der Kriegsparteien sind währenddessen eher weiter auseinandergetrieben als sich näher gekommen. Beiden werden schwere Kriegsverbrechen vorgeworfen. Kaum jemand glaubt, dass es bald zu einem Durchbruch kommt.
Und dennoch war die Konferenz ein Erfolg. Finanziell haben die Gastgeber der Konferenz – Deutschland, Frankreich, Großbritannien, die USA, die EU und die Afrikanische Union – eine Menge geleistet. Insgesamt 1,5 Milliarden Euro an Hilfsgeldern für Sudan und vom Krieg betroffene Nachbarländer wurden gesammelt. Das ist deutlich mehr als bei der Konferenz im vergangenen Jahr in London und nicht allzu weit entfernt von der Summe (knapp 1,9 Milliarden Euro), die laut den UN nötig ist, um 14 Millionen Sudanesen auf der Flucht zu helfen. In einer Zeit, in der Budgets für Hilfsleistungen drastisch gekürzt werden, im Fall von Deutschland sogar halbiert, sind 1,5 Milliarden Euro ein Erfolg.
Diplomatisch ist das nicht ganz so klar. Die Kriegsparteien – die sudanesische Armee (SAF) und die RSF-Miliz – waren in Berlin nicht eingeladen und somit nicht unter den 60 Delegationen. Der Krieg in Sudan ist einer von vielen, gerade auf dem afrikanischen Kontinent, in dem entscheidende Hebel zur Beendigung des Konflikts nicht nur bei den zwei Kriegsparteien liegen. Drittstaaten wirken maßgeblich auf den Kriegsverlauf ein – und haben dadurch viel Einfluss auf die beiden Anführer der SAF und RSF.
Wichtigster Grund zur Hoffnung kommt von der Quad-Gruppe
So waren Vertreter der Vereinigten Arabischen Emirate, aus Ägypten, Saudi-Arabien, der Türkei, Qatar und einigen anderen afrikanischen Ländern in Berlin, deren Unterstützung für eine der beiden Kriegsparteien mal mehr, mal weniger die Kriegsmaschinerie in Sudan am Leben hält. Dass sie im Gespräch bleiben, ist für die langsamen Mühlen der Diplomatie enorm wichtig.
Auch die Europäer können die Konferenz als diplomatischen Erfolg sehen. Ihr Einfluss auf den Kriegsverlauf in Sudan ist gering. Aber für Berlin, London und Paris war es ein wichtiges Signal, gemeinsam mit Washington eine solche Konferenz auszurichten. Bevor der amerikanische Präsident Donald Trump seine zweite Amtszeit im Weißen Haus antrat, ging die Sorge um, dass damit die internationale Aufmerksamkeit für den Krieg noch weiter in den Hintergrund gerät. Stattdessen hat es der Sudankrieg sogar in die jüngste Nationale Sicherheitsstrategie der Vereinigten Staaten geschafft sowie in Trumps Truth-Social-Feed. Für die Opfer des oft als vergessener Krieg bezeichneten Konflikts ist das wichtig.
Auch der bislang wichtigste Grund zur Hoffnung stammt aus Washington. Dort haben sich die Vereinigten Arabischen Emirate, Ägypten, Saudi-Arabien und die USA (auch Quad-Gruppe genannt) auf Grundsätze für ein Ende des Krieges geeinigt – die drei arabischen Länder unterstützen unterschiedliche Kriegsparteien. Sie forderten gemeinsam „die Einstellung der militärischen Unterstützung von außen“. Dies sei unerlässlich, um den Konflikt zu beenden. Wenn auf diese Worte Taten folgen, ist ein Ende der schwersten humanitären Krise unserer Zeit ein bisschen wahrscheinlicher.
Source: faz.net