Kommunalwahlen in Frankreich: Was Sie reichlich die Kommunalwahlen in Frankreich wissen sollen

Am 15. und 22. März finden in Frankreich Kommunalwahlen („élections municipales“) statt. Es ist die letzte Wahl vor der von vielen mit Sorge erwarteten Präsidentschaftswahl 2027. Seit den vorgezogenen Parlamentswahlen regiert Frankreichs Präsident Emmanuel Macron nur noch mit einer Minderheitsregierung, Abstimmungen zwischen den verschiedenen politischen Lagern sind herausfordernd. In diesem schwierigen Umfeld gewinnen die Kommunalwahlen an Bedeutung. Ein Überblick über die wichtigsten Fragen

Welche Gremien werden gewählt?

Bei den Kommunalwahlen am 15. und 22. März wählen die Franzosen ihre kommunalen Vertreterinnen (conseillers municipaux), die sich in Kommunalparlamenten (conseils municipals) organisieren. Sie entsprechen in etwa deutschen Gemeinde- und Stadträten. Die Mitglieder der Kommunalparlamente wählen dann wiederum die Bürgermeister.

Frankreich hat ein komplexes System politischer Ebenen im Lokalen. Nach der nationalen Ebene ist die kommunale Ebene aber wohl die wichtigste. Die Kommunen sind in Frankreich für die Bereiche zuständig, welche die Bürger in ihrem Alltag direkt betreffen. Darunter fallen Wohnraum und Bildungswesen, Gesundheitswesen und Mobilität, aber auch Sicherheit und Sauberkeit.

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Wie wird gewählt?

Für die erste Runde der Wahlen wurden nach Angaben des französischen Innenministeriums 50.478 Listen mit insgesamt 904.042 Kandidierenden zugelassen. Die
Listen sind beim Innenministerium abrufbar. Auf den Listen müssen genauso viele Frauen wie Männer stehen, sie belegen immer abwechselnd Plätze. Zur Wahl stehen in den meisten Kommunen die Parteien, die sich auch auf nationaler Ebene organisieren. Wahlberechtigt sind Franzosen und EU-Bürgerinnen, die auf den Wählerlisten der jeweiligen Kommunen eingetragen sind.

Die
Kommunalwahlen in Frankreich sind Direktwahlen, das heißt, die
Franzosen wählen ihre kommunalen Vertreterinnen direkt. Die
Bürgermeister werden allerdings nicht von den Wählenden,
sondern von den Kommunalparlamenten bestimmt. Anders als bei der
Kommunalwahl in Deutschland ist die Wahl zudem eine reine Listenwahl. Ziel der ersten
Wahlrunde (premier tour) ist es, dass eine Liste die absolute
Mehrheit der Stimmen holt. Ist das nicht der Fall, folgt eine zweite Wahlrunde (second tour) eine Woche später. Listen, die mehr als zehn Prozent geholt hatten, dürfen wieder antreten, Listen mit mindestens fünf Prozent dürfen aber ebenfalls weiter antreten, wenn sie mit einer größeren Liste fusionieren. Das tun viele aus taktischen Gründen.

Die Liste, welche die absolute Mehrheit holt, bekommt eine sogenannte Mehrheitsprämie (prime majoritaire): Ihr wird die Hälfte der Sitze zugesprochen. Die andere Hälfte der Sitze wird dann proportional nach dem Wahlergebnis aller Parteien – auch derjenigen mit der absoluten Mehrheit – verteilt. Es gibt eine Fünf-Prozent-Hürde. Damit hat die stärkste Partei im Kommunalparlament eine noch größere Vormachtstellung. Die Mitgliederzahl richtet sich nach der Größe der Kommune.

Auf den gleichen Listen mit den Kandidierenden für die Kommunalparlamente stehen auch die Kandidierenden für die Kommunalverbände, in denen sich Kommunen zusammenschließen. Seit diesem Jahr gilt ein einheitliches Wahlrecht in ganz Frankreich, auch in kleineren Gemeinden. Nur in den Metropolen Paris, Lyon und Marseille weicht der Wahlmodus etwas ab, hier werden wegen der Menge an Einwohnern auch Vertreter der Arrondissements, also der Stadtteile, in eigene Räte gewählt – so wie in etwa in München.

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Warum wird es in Paris spannend?

Die prominente sozialistische Bürgermeisterin Anne Hidalgo tritt ab. Sie war zwölf Jahre lang Bürgermeisterin der Stadt und das als erste Frau, zuvor 13 Jahre lang Stellvertreterin, und ist während ihrer Amtszeit vielen auf die Füße getreten. Die Sozialistin hat das Stadtbild stark verändert, autofreie Straßen und neue Parks angelegt, den Fahrradverkehr priorisiert und zugleich zahlreiche Parkplätze abgebaut. Über manches ließ sie die Bewohner abstimmen, wie ein Verbot von E-Rollern. Den einen galt sie als Visionärin, den anderen als Ärgernis.

Dass Hidalgo abtritt, ist ein schwerer Schlag für die Sozialisten, die die Hauptstadt mit ihr lange regiert haben. Von den Sozialisten tritt nun Emmanuel Grégoire an, ein Abgeordneter in Paris. Seine Liste haben die Sozialisten gemeinsam mit den Grünen und den Kommunisten aufgestellt. Die Konservativen schicken die Politikerin Rachida Dati ins Rennen, insgesamt gibt es neun Listen.

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Welchen Einfluss hat die nationale Politik?

Da die meisten Listen von den Parteien unterstützt werden, spielt die nationale Politik auch im Lokalen eine Rolle. Innenpolitisch ist Frankreich aktuell sehr gespalten. Seit der vorgezogenen Parlamentswahl 2024 ist die französische Nationalversammlung in nahezu drei gleich große Lager geteilt – Rechtspopulisten, Linke und Mitte –, welche sich sehr schwertun mit einer Kompromissfindung. Mehrere Premierminister sind bereits über den Versuch, wenigstens einen Haushalt im Parlament zu verabschieden, gestürzt. Der andauernde Streit zwischen den Lagern hilft kaum einer Partei, wenn überhaupt, gewinnen die Populisten – rechts außen wie links außen. Deswegen hat sich etwa die linke Mitte in Paris zusammengetan.

Zugleich versucht der Präsident, durch seine Außenpolitik zu punkten. Er steht nicht zur Wahl, seine Partei und deren Verbündete in der Mitte des Parteienspektrums können die Wahlkampfhilfe jedoch brauchen – auch wenn Macron selbst im Moment nicht gerade beliebt ist. So rief er zuletzt eine neue Ära in der Verteidigungspolitik aus, Frankreich will seine Stellung als Atommacht ausbauen, zusammen mit Verbündeten wie Deutschland, allerdings mit aller Entscheidungsgewalt. Wie sehr seine Rolle als starker Verteidiger seiner Partei hilft, wird sich zeigen.

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Wo stehen die Rechtspopulisten?

In Frankreich haben die Rechtspopulisten – allen voran der Rassemblement National (RN) unter der Führung von Marine Le Pen und Jordan Bardella – wie beinahe überall in Europa in den vergangenen Jahren an Zustimmung gewonnen. Aktuell ist die Partei jedoch von innen belastet: Die eigentlich geplante Präsidentschaftskandidatin Marine Le Pen befindet sich mitten in einem Berufungsprozess wegen Veruntreuung öffentlicher Gelder, der auch darüber entscheidet, ob sie wieder zu Wahlen antreten darf. Bei den Kommunalwahlen spielt sie zwar an sich keine Rolle, der Prozess belastet ihre sich eigentlich auf dem Vormarsch befindende Partei jedoch.

Dafür kommt von außen Wahlkampfhilfe: Zuletzt hatte es große rechtsextreme Proteste gegeben, nachdem der rechtsextreme Aktivist Quentin Deranque am Rande einer Veranstaltung von Linksextremen zu Tode geprügelt worden war. Linksextreme und Rechtsextreme hatten, soweit der Stand der Ermittlungen, gegeneinander gekämpft. Auf sogenannten Trauermärschen wurden später rechtsextreme Parolen skandiert, die Stimmung im Land ist aufgeheizt. Auch in der Politik werden Linke pauschal von Konservativen für den Tod mitverantwortlich gemacht.

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Wie sehen die Prognosen aus?

Bei den letzten Kommunalwahlen 2020 gewannen die Grünen überraschend stark an Zustimmung und stellten dann die Bürgermeister in mehreren Großstädten wie Lyon, Straßburg und Bordeaux. Macrons Partei dagegen schnitt schlecht ab und konnte etwa nicht den Bürgermeisterposten in der Hauptstadt holen. Diesen Wahlsieg feierten dagegen die Sozialisten. Der rechtspopulistische RN hielt einige Städte und stellte neu auch den Bürgermeister der Stadt Perpignan. Wegen der Pandemie hatte die zweite Wahlrunde von März in den Juni verschoben werden müssen.

Prognosen für einzelne Kommunen gibt es hauptsächlich in den großen Städten. In Paris prognostiziert das Umfrageinstitut Ifop etwa ein knappes Bürgermeisterrennen: Demnach käme der Sozialist Grégoire aktuell auf 32 Prozent, die Konservative Dati auf 30 Prozent, die Rechtspopulistin Sarah Knafo auf 11 Prozent und die Linkspopulistin Sophia Chikirou ebenfalls auf 11 Prozent. Diese vier Listen dürften sich dann in einer zweiten Runde treffen.

Zudem geben die landesweiten Befragungen einen Hinweis auf das mögliche Abschneiden der Parteien. Einer Umfrage von Ifop aus dem Oktober 2025 zufolge würde eine gemeinsame rechtspopulistische Liste von RN und der UDR von Éric Ciotti zwischen 35 und 36 Prozent der Stimmen erhalten. Sollten sie sich noch mit der rechtsextremen Reconquête zusammentun, wären es sogar 39 bis 40 Prozent – so viele wie noch nie. Eine gemeinsame Liste der zentralen Parteien, darunter die von Macron, würde demnach nur noch auf 13 bis 14 Prozent der Stimmen kommen. Sollten sich die linken Parteien erneut zusammentun, kämen sie demnach auf 24 Prozent. Alleine könnten die Linkspopulisten unter Jean-Luc Mélenchon zwischen acht und zwölf Prozent holen. Gerade die Ränder dürften also zugewinnen.

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Was bedeutet das Ergebnis?

Das Abschneiden der Parteien bei der kommenden Kommunalwahl wird mit Blick auf die Präsidentschaftswahl 2027 sicher genau beobachtet. Denn schon jetzt bringen sich die Kandidierenden in Stellung – wenn auch noch mit Schwierigkeiten.

Einer aktuellen Umfrage von Ifop von Anfang März
zufolge würden etwa 36 Prozent einen RN-Präsidentschaftskandidaten Jordan Bardella wählen. 16 Prozent würden den ehemaligen Édouard Philippe aus dem Zentrumsblock wählen. Der Linkspopulist Jean-Luc Mélenchon käme bei seinem vierten Versuch, französischer Präsident zu werden, auf 10 bis 11 Prozent. Der Sozialist Raphaël Glucksmann käme auf 10 bis 12 Prozent.

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