Kommentar zu Chamenei: Die Hardliner sitzen noch immer im Sattel


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Stand: 09.03.2026 • 16:42 Uhr

Modschtaba Chamenei steht seinem Vater in puncto Radikalität in nichts nach. Seine Wahl zeigt daher vor allem, dass die Hardliner auch nach zehn Tagen Krieg noch immer fest im Sattel sitzen.

Ein Kommentar von Lissy Kaufmann, ARD-Hauptstadtstudio, zzt. ARD-Studio Istanbul

Nein, Donald Trump hat kein Wörtchen mitgeredet bei der Wahl des Nachfolgers von Ayatollah Ali Chamenei, dem getöteten Obersten Anführer Irans. Das Regime hat den US-Präsidenten schlichtweg ignoriert, der meinte, Modschtaba sei ein Leichtgewicht und inakzeptabel. Irans Außenminister Abbas Araghtschi erklärte mit einer Seelenruhe im amerikanischen Fernsehen, die Entscheidung sei nun mal Sache der Iraner. Und wenig später fiel diese Entscheidung.

Genauso radikal wie der Vater

Die Wahl Modschtabas zeigt, dass das Regime und die Hardliner noch immer erstaunlich fest im Sattel sitzen. Auch nach mehr als einer Woche Krieg, in der Israel und die USA nicht nur den Obersten Anführer ausgeschaltet haben, sondern unablässig Stützpunkte des Militärs bombardieren, Einrichtungen des Regimes, ja sogar jene Gebäude, in denen eigentlich der Expertenrat tagt – also das Gremium, das den Nachfolger an der Spitze bestimmt.

Dennoch haben die 88 konservativ-religiösen Männer einen neuen Führer auserkoren. Und sie haben einen Mann gewählt, der seinem Vater in seiner Radikalität in nichts nachsteht. Im Gegenteil: Modschtaba hat enge Verbindungen zur Revolutionsgarde, einer Terrororganisation, die Kritiker verfolgt und Proteste blutig niederschlägt.

Kritik an quasi-monarchischen Verhältnissen

Die Wahl Modtschtabas zeigt allerdings auch: Das iranische Regime steht unter Druck, mehr als je zuvor. Eigentlich sollte die Nachfolge erst bekannt gegeben werden, wenn der getötete Ayatollah Ali Chamenei begraben ist. Die Trauerfeier aber hat bis heute nicht stattgefunden. Mutmaßlich deshalb, weil sie zur Zielscheibe werden könnte für das israelische und amerikanische Militär.

Doch das Regime wollte jetzt nicht länger warten. Es will den Schein der Normalität wahren, betont unablässig die geordneten Verhältnisse, nach dem Motto: Bitte weitergehen, hier gibt’s nichts zu sehen – auch wenn das Land in Flammen steht.

Die Entscheidung sollte also schnell fallen – ungeachtet der internen Kritik an Modschtaba. Denn dass der Sohn auf den Vater folgt, kommt einer Erbmonarchie gleich, was man mit der Islamischen Revolution von 1979 eigentlich beenden wollte.

Seine Ernennung gleicht einem Todesurteil

Die große Frage in den kommenden Tagen und Wochen wird sein, wie Modschtaba Chamenei sein Amt ausführen wird. Inhaltlich als Hardliner, ja. Erst recht, nachdem die Erzfeinde seine Eltern getötet haben, seine Schwester und deren Familie. Rache wird sein Antrieb sein.

Ganz praktisch allerdings könnte es für Modschtaba schwierig werden. Israel hat bereits angekündigt, jeden Nachfolger ins Visier zu nehmen. Und bislang hat Israel fast jeden Feind ausgeschaltet, den es sich vorgeknöpft hat. Die Ernennung Modschtabas kommt damit einem Todesurteil gleich. Das perfide Regime aber, so scheint es, ist noch lange nicht am Ende.

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Source: tagesschau.de