Kommentar: Klimaschutz – besser wie jeder Tankrabatt


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Stand: 25.03.2026 • 18:12 Uhr

Bis 2045 soll Deutschland klimaneutral sein. Doch die Regierung ist sich nicht einig: Die einen drücken aufs Tempo, die anderen bremsen. Hinzu kommt das schlechte Image des Klimaschutzes. Es wird Zeit für ein Rebranding,

„Klimaschutz ist anstrengend: Kostet viel Geld. Macht das Leben schwerer und nimmt mir meine Freiheit. Und wer wenig davon hält, ist ein schlechter Mensch.“ Das sind so in etwa die Schlagwörter der vergangenen Jahre. Warum aber es nicht mal mit einer Vision versuchen?

Wie wäre es mit: Elektroautos sind erschwinglich, können an jeder Ecke laden. Die Bahn fährt – pünktlich und zuverlässig. Das Deutschlandticket wird nicht regelmäßig in Frage gestellt – und auch nicht immer teurer. Weil Öl und Gas mittlerweile so teuer sind, kommen sie zum Heizen gar nicht mehr infrage. Macht aber auch nichts, weil es Alternativen gibt.

Klimaschutz braucht ein neues Image

Das ist leider ein Traum, der nicht so schnell wahr werden wird. Aber vielleicht muss genau dieser Traum das Ziel sein. Klimaschutz braucht ein neues Image. Er nervt nicht, kann sogar Freude machen. Und ist langfristig gesehen besser als jeder Tankrabatt, wenn man bei Spritpreisen von mehr als zwei Euro pro Liter im Elektroauto an der Tankstelle vorbeifahren kann.

Wenn man nicht erschrickt, wenn die Gasrechnung kommt. Wenn Unternehmen investieren, weil Klimaschutz auch Wachstum bedeutet. Wenn die Menschen nicht das Gefühl haben, sie werden gezwungen. Sondern wenn sie wissen, dass sie klug für die Zukunft planen.

Die einen treten aufs Gas, die anderen auf die Bremse

So ein bisschen in diese Richtung geht auch das Klimaschutzprogramm der Bundesregierung. Weniger Polarisierung, fordert der Bundesumweltminister Carsten Schneider. Es soll nicht die Frage im Raum stehen: Bin ich ein guter oder schlechter Mensch? Sondern: Was lohnt sich, was ergibt Sinn? Aber das ist eben auch nur Theorie und das Programm der Bundesregierung besteht aus viel Papier.

Deutschland ist alles andere als auf Kurs, um seine Klimaziele zu erreichen. Es ist wenig glaubhaft, wenn der Umweltminister sagt, dass die Bundesregierung sich einig ist. Denn während Schneider aufs Tempo drückt, tritt die Wirtschaftsministerin auf die Bremse. Vielleicht hat Katherina Reiche auch recht, wenn sie sagt: Wir brauchen ein paar Jahre mehr Zeit. Auch die Wirtschaft wünscht sich weniger Druck. Aber dann sollte sich die Bundesregierung auch einigen und nicht wieder unterschiedliche Signale senden.

Schon die Ampel-Regierung hat es nicht geschafft, die Menschen mitzuziehen. Die Bundesregierung versucht es, läuft aber auch in unterschiedliche Richtungen. So wird es nicht funktionieren.

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Source: tagesschau.de