Klingbeil in Washington: Europas Chance im Kampf um Rohstoffe

Wenn die Vereinigten Staaten zu einem Treffen der G-7-Finanzminister einladen, wäre dies früher unter „Business as usual“ verbucht worden. Doch in Zeiten, in denen die Regierung von Präsident Donald Trump etablierte Kooperationskanäle kappt und militärische wie poli­ti­sche Interessen in brachialen Allein­gängen durchsetzt, lässt der Besuch von Lars Klingbeil (SPD) und seinen Amtskollegen in Washington an diesem Montag aufhorchen. Den Amerikanern geht es um eine der geostrategisch wichtigsten Fragen dieser Zeit: Wie lässt sich die Abhängigkeit von kritischen Rohstoffen aus China be­enden?

Das Reich der Mitte hat über Jahrzehnte eine Dominanz erlangt, mit der es die Versorgung mit Seltenen Erden und Technologiemetallen als geopo­litische Waffe einsetzen kann. Ob Au­tos, Maschinen und Anlagen aus Eu­ro­pa oder Halbleiter und KI-Infrastruktur aus den USA – gegen Pekings Willen geht wenig. Die Rüstungsindustrie ist in besonders hohem Maß abhängig.

Die Vereinigten Staaten haben das Thema längst zur Frage der nationalen Sicherheit gemacht und setzen viele Milliarden Dollar ein. Dass sie den Rahmen der G 7 suchen, zeigt aber: „America First“ auf diesem Gebiet muss nicht „America Alone“ heißen. Die Europäer wären trotz aller Verstimmungen nach Trumps aggressiven Ansagen an Grönland und Drohungen gegen Dänemark gut beraten, diesen Gesprächskanal zu nutzen.

Erklärung für das amerikanische Interesse an Grönland

Rohstoffe gelten als eine Erklärung für das amerikanische Interesse an Grönland. Tatsächlich weist die größte Insel der Welt ein hohes mineralisches Potential auf. Von Gold und Kupfer über Platingruppenmetalle, Eisen, Blei, Zink, Nickel und Lithium bis hin zu weniger bekannten Elementen wie Molybdän, Beryllium und Niob reicht die Palette.

Nach Analysen der Deutschen Rohstoffagentur befindet sich darunter aber wenig, worüber die USA nicht schon verfügen, mit ei­ner Ausnahme: Trump dürfte es auf die Absicherung des mit vermuteten fast fünf Millionen Tonnen größten bekannten Vorkommen an Seltenen Erden in Kringlerne ankommen, an dessen Ausbeutung schon ein US-Unternehmen beteiligt ist. Diese Metalle sind unersetzlich für die Produktion etwa von Permanentmagneten, die vom Au­to bis zu Windkraftanlagen in allem verbaut werden, was sich dreht, und für Displays, Laser, Glasfaser und vieles mehr.

Doch auch der Schatz von Grönland bedeutet noch keine Unabhängigkeit von China. Die Herausforderung besteht nicht primär in der Produktion von Erzen, also dem Abbau in Minen, sondern im Raffinieren der Rohstoffe. Diese werden in aufwendigen chemischen Verfahren gewonnen. In der Ar­beitsteilung der Globalisierungsde­kaden überließen die Industriestaaten das schmutzige und margenschwache Geschäft allzu gern den Chinesen, weshalb das nötige Know-how außerhalb Chinas heute kaum noch vorhanden ist. China hingegen verfügt über mehr als 90 Prozent der Raffineriekapazitäten für schwere Seltene Erden.

Japan zeigt, wie es gehen könnte

Die Erfahrung lehrt, dass China seine Stellung mit aller Macht verteidigt. Als Monopolist kann es Märkte mit Rohstoffen bei Bedarf auch fluten, um neue Projekte unrentabel zu machen. Dass sich mit der nötigen Entschlossenheit gegen Chinas Druck leben lässt, hat Japan bewiesen. Das Land wurde schon vor mehr als einem Jahrzehnt von China mit Rohstoffentzug gestraft und hat daraufhin seine Rohstoffstrategie entwickelt und um­gesetzt. Deshalb verkraftet Japan die derzeitige Beschränkung im Zuge politischer Spannungen besser, als dies etwa Deutschland könnte.

Nicht ohne Grund stehen in Washington Preisgarantien auf der Tagesordnung der G 7. Die Erschließung neuer Minen und der Aufbau von Verarbeitungskapazitäten ziehen sich über viele Jahre. Dafür braucht es attraktive Finanzierungsmodelle für privates Kapital. Die Nachfrage für die meisten Technologiemetalle und Seltene Erden dürfte in den kommenden Jahren rasant steigen. Investoren wollen jedoch Aussicht auf auskömmliche Renditen haben. Da können Preis­garantien helfen. Staatliche Zusagen, ein durch Marktmanipulation entstehendes Delta in einer Anschubphase zu kompensieren, könnten solche Eingriffe für China unattraktiv machen.

Für Deutschland und Europa tun sich große Chancen auf: Ein gemeinsames Handeln im Rahmen der G 7 kann verhindern, dass die USA die Neugliederung der Wertschöpfungsketten für kritische Rohstoffe in der westlichen Hemisphäre im Alleingang ordnen. Zugleich öffnet das Freihandelsabkommen mit dem südameri­kanischen Staatenbund Mercosur die Tür zu den großen Rohstoffvorkommen des Kontinents, wo Brasilien sich anschickt, ein ganz großer Spieler am Markt zu werden. Es ist Zeit, die Chancen mutig am Schopf zu packen.

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