Kino-Hype und Konsolen-Dilemma: Wohin steuert Nintendo?

Stand: 01.04.2026 • 07:27 Uhr

Nintendos beliebte Videospielfigur Super Mario soll im Kino an den Milliardenerfolg seines Vorgängers anknüpfen. Doch die Nostalgie des familienfreundlichen Gaming-Giganten bekommt Risse.

Von Dominic Konrad, SWR

Fröhlich dreinschauende Pilz-Zwerge, fiese Schildkröten und zwischendrin ein Männchen mit Schnauzbart, Latzhose und roter Schirmmütze: Kaum jemand, der diesseits der 1980er-Jahre aufgewachsen ist, dürfte an „Super Mario“ vorbeigekommen sein. Seit 1981 hüpft der kleine italienische Klempner mit seinem Bruder Luigi durch die Videospielwelten aus dem Hause Nintendo.

Nun begibt sich Mario mit „Der Super Mario Galaxy Film“ in ein neues animiertes Kinoabenteuer. Mit seinen Freunden reist er durch ferne Galaxien, um das Pilzkönigreich zu retten und seinem Widersacher, dem Schildkrötenkönig Bowser, das Handwerk zu legen.

„Super Mario Galaxy“ ist Nachfolger eines Mega-Blockbusters

Der Erfolg an den Kinokassen ist dem Film bereits vor Kinostart nahezu sicher. Der erste Teil von 2023 geriet zum regelrechten Feuerwerk für Nostalgiker. In Sachen Charakterdesign ging der Film keine Experimente ein. Gleichzeitig bot er ein starbesetztes Sprecherensemble sowie reichlich Easter Eggs und Insider-Witze für Langzeitfans.

Kritiker waren nicht begeistert. Die Fans dafür umso mehr: Mehr als 1,3 Milliarden US-Dollar spielte „Der Super Mario Bros. Film“ an den Kinokassen ein. Er wurde somit einer der erfolgreichsten Animationsfilme.

Teil zwei verspricht nicht weniger Nostalgie: Wie der Trailer verrät, wird neben dem titelgebenden Spiel „Super Mario Galaxy“ auch die beliebte Rennspielereihe „Mario Kart“ im Film ihren Platz finden. Zudem werden Fan-Favoriten wie der Dinosaurier Yoshi oder die Sternenprinzessin Rosalina eine zentrale Rolle spielen.

Nintendo setzt auf starke Marken und bunte Freizeitparks

Die Erfolgsgeschichte von „Super Mario“ ist eng mit dem Aufstieg des japanischen Videospielherstellers Nintendo verknüpft. Mehr als 890 Millionen Mario-Spiele hat Nintendo seit 1985 verkauft. Damit ist Mario die meistverkaufte Videospielefigur im Guinness-Buch der Rekorde. Wie kein anderer Hersteller hat es Nintendo geschafft, seine Konsolen als familienfreundliche Videospielunterhaltung zu vermarkten.

Dabei helfen umsatzstarke Spielereihen, die ihre Fans mitunter seit Jahrzehnten begeistern und exklusiv auf den hauseigenen Konsolen verfügbar sind. Darunter sind Titel wie „Pokémon“, „Donkey Kong“ und „The Legend of Zelda“.

Der japanische Konzern Nintendo setzt als Attraktion für Fans von „Super Mario“ und „Luigi“ auf Freizeitparks wie diesen in Universal-City im US-Staat Kalifornien.

In den vergangenen Jahren hat der japanische Konzern diese Marken zudem immer mehr in andere Unterhaltungsbereiche lizenziert. So eröffnete im Jahr 2020 der Freizeitpark Universal Studios in Osaka einen Nintendo-Themenbereich, die „Super Nintendo World“. Auch in Los Angeles und Orlando gibt es vergleichbare Attraktionen. Ein Realfilm zur Spielereihe „The Legend of Zelda“ soll 2027 in die Kinos kommen.

Aktuelle Nintendo-Konsole „Switch 2“ enttäuscht

Doch die Liebe seiner Fans stellt Nintendo derzeit auf die Probe. Im Juni 2025 veröffentlichte der Konzern mit der „Switch 2“ das Nachfolgemodell seiner bislang erfolgreichsten Konsole. Diese war bei ihrem Release 2017 ein absolutes Novum: Als erste Konsole überhaupt war die „Switch“ sowohl für das Spielen am Fernseher als auch für die Nutzung unterwegs konzipiert – dank integriertem Display.

Ähnlich revolutionäre Neuerungen bietet der Nachfolger nicht. Auch sonst zeigen sich nicht wenige Nutzer im Internet unzufrieden mit dem Modell. So falle Nintendo mit der Standardversion der „Switch 2“ qualitativ hinter die 2021 veröffentlichte OLED-Variante des Vorgängermodells zurück. Diese verfüge über eine bessere Akku-Laufzeit und ein Display mit besserer Auflösung und Farbbrillanz.

Fans kritisieren Spieleauswahl und Preispolitik

Auch die Auswahl der zum Launch verfügbaren Exklusivtitel enttäuschte viele Fans. Zwar erschienen einige Spiele mit den beliebten Nintendo-Figuren. In den meisten Fällen handelte es sich allerdings um Spin-offs der erfolgreichen Reihen, die bei Weitem keine vergleichbare Zugkraft haben, wie die eigentlichen Kernmarken.

So wurde zwar mit „Mario Kart World“ ein neues Rennspiel mit den Mario-Figuren auf den Markt gebracht. Viele Fans konnte das Spiel allerdings im direkten Vergleich mit dem Vorgänger „Mario Kart 8 Deluxe“ von 2017 nicht überzeugen. Ein neues Spiel der „Super Mario“-Hauptreihe hat Nintendo bislang nicht angekündigt. Insbesondere kritisieren Fans auch Nintendos Preisgestaltung.

Stand der japanische Videospieleanbieter seit jeher für erschwingliche Familienunterhaltung, wurde die neue Konsole zum Launch in Europa für knapp 500 Euro angeboten. Nintendo begründete den Preisanstieg mit gestiegenen Hardware-Kosten. Doch auch Spiele rangierten zum Launch zwischen 70 und 90 Euro. Hinzu kommen Zusatzkosten für Zubehör wie Controller oder eine Gebühr für technische Upgrades bei Spielen der Vorgängerkonsole. Andere Hersteller bieten Letzteres kostenlos an.

Nintendo soll Produktion der „Switch 2“ drosseln

Auf dem japanischen Heimatmarkt sind die Verkäufe der „Switch 2“ stabil. Hier veröffentlichte Nintendo neben der internationalen eine rund 150 Euro günstigere Version, die ausschließlich mit einem japanischen Nintendo-Account bespielt werden kann. In Europa und den Vereinigten Staaten bleiben die Verkäufe derweil hinter den Erwartungen zurück.

Wie das US-Wirtschaftsportal Bloomberg berichtet, soll Nintendo nun angesichts des schwächelnden US-Geschäfts die Notbremse ziehen und die Produktion der „Switch 2“ um ein Drittel zurückfahren wollen. Eine offizielle Bestätigung seitens des japanischen Konzerns gibt es bislang nicht.

Während Nintendos Figuren im Kino und in Freizeitparks auf sicherem Erfolgskurs sind, gerät der Videospieleherstelle im Kerngeschäft ins Straucheln. Insbesondere die Preis- und Veröffentlichungsstrategie sorgt bei den Fans für Ernüchterung. Nostalgie allein, so scheint es, reicht selbst für Nintendo nicht mehr aus.

Source: tagesschau.de