KI-Gigafactory: Telekom-Chef Höttges beklagt Brüsseler „Ambitionslosigkeit“

Der Vorstandsvorsitzende der Deutschen Telekom wird zunehmend skeptisch, was die Errichtung ei­ner KI-Gigafactory in Deutschland betrifft. „Wenn die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen dafür nicht gegeben sind, werden wir auch nicht in so ein Projekt investieren“, sagte Tim Höttges am Donnerstag auf einer Pressekonferenz der Telekom zur Vorlage der Jahreszahlen für das Jahr 2025. „Die Deutsche Telekom braucht keine Gigafactory, Deutschland braucht eine Gigafac­tory.“

Von den Versprechungen seitens der Europäischen Union, 20 Milliarden Eu­ro in sechs Datencenter in Europa zu stecken, sei zuletzt wenig zu hören. Ursprünglich habe die Industrie damit gerechnet, bis Dezember Ausschreibungsunterlagen zu bekommen, nun sei von Mai die Rede. „Die Ambitionslosigkeit, mit der in Brüssel Telekommunikation und Digitalisierung betrieben wird, ist ermüdend“, sagte Höttges.

Auslastung der Datencenter fraglich

Entscheidend dafür, ob sich die Deutsche Telekom dafür bewerben werde, eine KI-Gigafactory zu bauen, seien die Ausschreibungsdetails. Dabei gehe es um die Preise für die GPU-Chips, und wie sie gefördert würden, und da gehe es darum, ob es die öffentliche Hand in der Europäischen Union und in Deutschland wirklich schaffe, 35 bis 40 Prozent eines solchen Rechenzentrums mit ei­genen Diensten auszulasten. „Und die Stromversorgung ist auch eine offene Frage“, sagte Höttges. Schon gegenüber Frankreich habe Deutschland enorme Nachteile, was Kosten angehe, gegenüber Ländern wie Norwegen zahle man hierzulande nochmals deutlich mehr für Energie. „Da ist die Politik gefordert, vernünftige Rahmenbedingungen zu setzen“, sagte der Telekom-Vorstandsvorsitzende.

Fünf Kommissionen habe Höttges inzwischen erlebt, und stets sei die Regulierung nur größer geworden. „270 Regulierungsbehörden bestimmen, was in unserem Geschäft passiert.“ Man könne nicht darauf hoffen, dass sich an der Situation schnell etwas ändere. „Aber wir versuchen nicht, Dinge zu ändern, die wir nicht ändern können, sondern gucken, was wir innerhalb der Rahmen­bedingungen machen können“, sagte Höttges. So habe die Telekom in eine eigene KI-Fabrik in München investiert, baue die Glasfaserinfrastruktur aus und investiere auch in den Vereinigten Staaten in Glasfaser und Mobilfunk. Gerade das Geschäft in Übersee treibt die Telekom weiterhin an. Dreimal hatte der Bonner Dax-Konzern im vergangenen Jahr seine Prognose erhöht und die Planung trotzdem leicht übertroffen. „Wir liefern weiterhin verlässliches und nachhaltiges Wachstum“, sagte Höttges.

Rekordumsatz und Rekordgewinn

Einen Umsatz von 119,1 Milliarden Euro hat der mit Abstand größte eu­ropäische Telekommunikationskonzern im vergangenen Jahr erzielt, und damit 4,2 Prozent mehr als im Vorjahr, wenn man Wechselkursschwankungen ausblendet. Die Dollarschwäche hat auf dem Geschäft gelastet, nominal betrug das Umsatzplus daher nur 2,9 Prozent. Das bereinigte operative Ergebnis, inklusive Leasingkosten (Ebitda AL), legte um 4,7 Prozent auf 44,2 Milliarden Euro zu. Der freie Mittelzufluss belief sich auf 19,5 Milliarden Euro, was einem Plus von zwei Prozent entspricht. Den bereinigten Konzernüberschuss steigerte die Telekom auf 9,7 Milliarden Euro. Die Aktionäre sollen eine um zehn Cent erhöhte Dividende von einem Euro erhalten. Für 2026 strebt der Konzern im Betriebsergebnis ein Plus von sieben Prozent auf 47,4 Milli­arden Euro an. Der Mittelzufluss soll um 1,5 Prozent auf 19,8 Milliarden Euro steigen.

Maßgeblich für die guten Zahlen ist die 52,8-prozentige Beteiligung an der amerikanischen Tochtergesellschaft T-Mobile US. Sie trägt deutlich mehr als die Hälfte zum Umsatz und zwei Drittel zum Gewinn der Deutschen Telekom bei und hat auch großen Anteil daran, dass der Dax-Konzern auf eine Marktkapitalisierung von mehr als 165 Milliarden Euro kommt. Allein im vierten Quartal hat T-Mobile 2,4 Millionen Vertragskunden gewonnen, und damit insgesamt fast acht Millionen Kunden im Jahr 2025. Damit wächst T-Mobile stärker als die US-Konkurrenten AT&T und Verizon. An Serviceumsätzen erzielte das Unternehmen 71,3 Milliarden Dollar und steuerte 33 Milliarden Dollar zum operativen Ergebnis der Telekom bei. Im vergangenen Jahr hatte sich der Dax-Konzern in mehreren Tranchen von T-Mobile-Aktien getrennt, für 2026 ist das nicht geplant.

Und Trumps Ballsaal-Finanzierung?

In den Vereinigten Staaten hatte sich T-Mobile zuletzt auch durch Über­nahmen verstärkt, etwa im Glasfaser­geschäft. Dass die Telekom auf der Liste der Unternehmen steht, die den von US-Präsident Donald Trump geplanten Ballsaal finanziell unterstützen, sieht der Vorstandsvorsitzende nicht als Symbol dafür, die Unternehmenswerte hintanzustellen.

„Wir haben in jedem Land gesetzliche Rahmenbedingungen, an die wir uns halten“, sagte Höttges: „Wir moralisieren nicht.“ Die Zuwendung sei zudem nicht direkt für den Ballsaal, sondern für die 250-Jahr-Feier der amerikanischen Verfassung. „Das ist einer der größten Feiertage, wenn so etwas in Deutschland stattfinden würde, würde sich die Telekom auch daran beteiligen“, sagte Höttges.

In Amerika sei es üblich, dass Un­ter­nehmen solche Veranstaltungen un­ter­stützten und damit auch die Steu­er­zahler entlasteten. „Vor dem Hinter­grund ist das kein Thema, das für uns werteseitig kritisch zu betrachten ist“, sagte Höttges. Die jüngste Mitarbeiterbefragung habe zudem gezeigt, dass es ein großes Zu­sammengehörigkeitsgefühl im Unternehmen gebe und der Wertekanon geteilt werde. „Wir haben in keinem Land, inklusive der USA, irgendwelche Einschränkungen, was unseren Wertekanon betrifft.“

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