Bislang hat sich Siemens zu den Investitionszusagen für die Standortinitiative, an der sich mittlerweile 124 Unternehmen mit gemeinsamen Investitionen von mehr als 800 Milliarden Euro angeschlossen haben, nie eindeutig geäußert. Im Jahr 2023, also weit vor der im vergangenen Sommer von Siemens-Chef Roland Busch und Deutsche-Bank-Vorstandsvorsitzenden Christian Sewing angestoßenen „Made for Germany“-Initiative, hatte Siemens ein Investitionsprogramm von zwei Milliarden Euro angekündigt. Davon war eine Milliarde Euro in Deutschland vorgesehen.
Leuchtturmprojekte in Erlangen und Berlin
In Erlangen baut Siemens für 500 Millionen Euro einen Technology Campus. Als weiteres Leuchtturmprojekt wertete Busch im Rahmen von „Made for Germany“ die Siemensstadt Square in Berlin-Spandau, wo Produktion, Forschung, Lernen, Wohnen und Leben an einem Ort vereint werden sollen. Hier trägt Siemens nach eigenen Angaben 750 Millionen zu den Gesamtinvestitionen von 4,5 Milliarden Euro bei.
Nun gibt Siemens mit dem Bau der intelligenten Fabrik in Amberg ein weiteres Bekenntnis zum Standort Deutschland ab. „Durch den Einsatz industrieller Künstlicher Intelligenz, digitaler Zwillinge und modernster Automatisierung stärken wir Wettbewerbsfähigkeit und schaffen zukunftsfähige Arbeitsplätze. Ein Beitrag auch für ein starkes Industrieland Deutschland“, lässt sich Busch in der Pressemitteilung zitieren.
Weiterbildung statt Stellenabbau
Es sollen dabei keine Arbeitsplätze wegfallen. Wichtig ist Siemens nach eigenen Angaben, die insgesamt rund 2400 Mitarbeitenden beim digitalen Wandel mitzunehmen und auch künftig Arbeitsplätze am Standort zu sichern. Die Mitarbeitenden will der Technologiekonzern umfassend weiterbilden und auf die veränderten Aufgaben in einer digitalisierten Fabrik vorbereiten.
Die bis zum Jahre 2030 entstehende „intelligente Fabrik“ wird zur Geschäftssparte Smart Infrastructure gehören. Sie beschäftigt sich mit Elektrifizierung und intelligenter Gebäudetechnik und hat sich in den vergangenen Jahren zum umsatz- und ertragsstärksten Konzernteil entwickelt. Die Leitung der Sparte wird vom 1. Juli an Peter Körte, bislang Strategie- und Technologievorstand, von Matthias Rebellius übernehmen. Mit dem neuen Werk will Siemens den steigenden Bedarf an elektronischen High-Tech-Produkten decken und künftig die Flexibilität in der Produktion erhöhen.
In der Fabrik will Siemens eine selbstlernende, autonome und hochflexible Produktion aufbauen, die von KI mitgesteuert wird. Davon verspricht sich Siemens nicht nur einen effizienteren und nachhaltigeren Betrieb, sondern auch eine höhere Flexibilität – etwa, um auf neue Anforderungen und Entwicklungen im Markt schneller reagieren zu können.
In der Fertigung wird die KI ständig mit Echtzeitdaten gespeist, um Auftragsplanung, -realisierung sowie Materialtransport und Anlagensteuerung aufeinander abzustimmen – und laufend zu optimieren. Darüber hinaus soll die neue Fabrik über eine vollautomatisierte Logistik verfügen, mit fahrerlosen Transportsystemen und humanoider Robotik.
Siemens betreibt in Amberg in Ostbayern zwei Werke mit rund 4500 Mitarbeitenden. An dem Standort werden gegenwärtig Schalt-, Schutz- und Überwachungsgeräte für industrielle Anwendungen produziert und entwickelt – sowie Industriesteuerungen im Werk der Geschäftssparte Digital Industries für Kunden in aller Welt.