Mit ausgesprochen starken Zahlen für die ersten drei Monate des Jahres hat der koreanische Elektronik- und Chipkonzern Samsung Electronics am Dienstag die Märkte überrascht. Der vorläufige operative Gewinn lag bei 57,2 Billionen Won (32,6 Milliarden Euro). Das war mehr als die 43,6 Billionen Won, die der Konzern im gesamten Jahr 2025 verdient hatte. Gegenüber dem ersten Quartal des Vorjahres legte der operative Gewinn um 755 Prozent zu. Selbst im zyklischen Geschäft mit Chips und Elektronik ist das ein außergewöhnlich großer Sprung. Der Umsatz stieg erstmals in einem Quartal über die Marke von 100 auf 133 Billionen Won (76 Milliarden Euro); ein Plus von 67 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum.
Samsung machte in der Börsenmitteilung vom Dienstag, die nur als Vorschau auf das in einigen Wochen vorgelegte, finale Ergebnis dient, keine Aufschlüsselung zu seinen einzelnen Sparten. An den Märkten gilt aber als sicher, dass die Koreaner den starken Gewinnanstieg vor allem ihrem Halbleitergeschäft zu verdanken haben.
Neue KI-Chips gehen in die Serienproduktion
Nach einer Phase technischen Rückstands gegenüber wichtigen Wettbewerbern wie SK Hynix und Micron konnte Samsung im vergangenen Jahr den lange erwarteten Durchbruch bei Speicherchips mit hoher Bandbreite (HBM) erlangen, die für den Ausbau der Künstlichen Intelligenz erforderlich sind. Nach dem Einstieg in die Serienproduktion solcher Halbleiter kann der Konzern aus Suwon nun große Tech-Konzerne wie Nvidia, Google und AMD beliefern.
Analysten hatten daher mit guten Zahlen gerechnet, waren im Durchschnitt aber nur von einem Quartalsgewinn von 40,2 Billionen Won ausgegangen. Schon das Schlussquartal 2025 war für Samsung sehr gut gelaufen, die Rekorde beim Quartalsergebnis und -umsatz, die nun eingestellt wurden, stammten aus diesen letzten drei Monaten des Vorjahres.
Dennoch belasten die Sorgen um einen länger andauernden Krieg in Nahost den Ausblick für das Unternehmen. Denn Südkorea erhält mehr als 70 Prozent seiner Energieimporte und zudem eine Reihe wichtiger Rohstoffe für die Chipproduktion durch die derzeit blockierte Straße von Hormus. Der ebenfalls koreanische Autokonzern Hyundai sowie Fluggesellschaften wie Korean Air haben bereits Energiespar- und Notfallprogramme eingeleitet. Für Rohstoffe wie Helium, die für die Herstellung von Halbleitern essenziell sind, sucht die Regierung in Seoul derzeit dringend nach neuen Bezugsquellen außerhalb des Nahen Ostens.
Der Aktienkurs von Samsung reagierte wohl auch deshalb nur kurzfristig im frühen koreanischen Handel mit einem Plus von mehr als drei Prozent auf die guten Geschäftszahlen. Im weiteren Handelsverlauf gab er einen Gutteil der Gewinne wieder ab.
Die aktuelle Stärke des Chipgeschäfts versucht Samsung dafür zu nutzen, seine Abhängigkeit von den Nachfrageschwankungen in dieser Branche zu verringern. Im vergangenen Monat hatte der Konzern erklärt, dass er mit seinen Speicherchip-Kunden langfristige Verträge abschließen wolle. Die Laufzeiten der Verträge sollten von vierteljährlichen oder jährlichen Vereinbarungen auf drei bis fünf Jahre verlängert werden.