Kehrtwende in Teheran?Iran erwägt nun doch Teilnahme an Friedensgesprächen
20.04.2026, 17:21 Uhr
Eigentlich klang der Iran sehr entschieden in seiner Ablehnung erneuter Friedensgespräche. Doch Insidern zufolge könnte das Regime seine Meinung nochmal ändern. US-Vizepräsident Vance ist derweil schon auf dem Weg nach Pakistan.
Der Iran erwägt jetzt doch eine neue Runde der Friedensgespräche mit den USA in Pakistan. Die Regierung in Teheran stehe einer Beteiligung „positiv“ gegenüber, sagte ein hochrangiger iranischer Insider. Eine endgültige Entscheidung sei jedoch noch nicht gefallen. Vorausgegangen waren Bemühungen der Regierung in Islamabad, die US-Blockade iranischer Häfen zu beenden, die bislang als Haupthindernis für eine Rückkehr des Iran an den Verhandlungstisch galt. Der Insider erklärte, Pakistan unternehme Anstrengungen, um die Blockade aufzuheben und die iranische Teilnahme sicherzustellen.
Die zweiwöchige Waffenruhe zwischen den USA und dem Iran läuft in der Nacht zum Mittwoch aus. US-Präsident Donald Trump hatte die Feuerpause am 7. April verkündet. Einem an den Gesprächen beteiligten pakistanischen Insider zufolge endet sie am Dienstag um 20 Uhr US-Ostküstenzeit (Mittwoch Mitternacht GMT / 03.30 Uhr im Iran). Auf die Frage nach einer möglichen Verlängerung antwortete Trump am Wochenende: „Ich weiß es nicht. Vielleicht nicht. Vielleicht werde ich sie nicht verlängern. Aber die Blockade wird bleiben.“ Die USA halten die Blockade iranischer Häfen aufrecht, während der Iran seine eigene Blockade der Straße von Hormus zunächst aufgehoben und dann erneut verhängt hat.
Die Waffenruhe schien zunächst gefährdet zu sein, nachdem die USA am Sonntag ein iranisches Frachtschiff gekapert hatten. Das US-Militär hatte nach einer sechsstündigen Konfrontation auf das unter iranischer Flagge fahrende Schiff geschossen und dessen Motoren außer Gefecht gesetzt. Es befand sich auf dem Weg in den Hafen von Bandar Abbas. Das US-Zentralkommando veröffentlichte ein Video, das zeigt, wie sich Marineinfanteristen von Hubschraubern auf das Schiff abseilen. Der Iran warf den USA staatlichen Medien zufolge „bewaffnete Piraterie“ vor. Das Militär sei bereit gewesen, sich der „eklatanten Aggression“ entgegenzustellen, habe jedoch aus Rücksicht auf die Familien der Besatzungsmitglieder an Bord davon abgesehen.
China fordert politische Lösung
China, Hauptabnehmer von iranischem Rohöl, äußerte sich besorgt über das Abfangen des Schiffs. Der chinesische Präsident Xi Jinping rief dazu auf, die normale Durchfahrt von Schiffen durch die Straße von Hormus wieder aufzunehmen und den Konflikt auf politischem und diplomatischem Weg zu lösen, wie die amtliche Nachrichtenagentur Xinhua meldete. Die Sorge vor einem Scheitern der Feuerpause trieb die Ölpreise um etwa fünf Prozent in die Höhe und sorgte für Kursverluste an den Aktienmärkten. Der Schiffsverkehr durch die Straße von Hormus, durch die normalerweise etwa ein Fünftel der weltweiten Öl- und Flüssiggasversorgung transportiert wird, kam Schifffahrtsdaten zufolge mit nur drei Durchfahrten innerhalb von zwölf Stunden am Montag fast vollständig zum Erliegen.
Der Sprecher des iranischen Außenministeriums, Esmaeil Baghaei, hatte zunächst noch erklärt, Washington habe gezeigt, dass es den diplomatischen Prozess nicht ernst nehme. Teheran werde seine Forderungen nicht ändern. Die USA beharrten auf unvernünftigen und unrealistischen Positionen, sagte er. Einem hochrangigen iranischen Insider zufolge stehen die Verteidigungsfähigkeiten des Landes, einschließlich des Raketenprogramms, nicht zur Disposition. Trump hatte am Sonntag gewarnt, die USA würden jede Brücke und jedes Kraftwerk im Iran zerstören, sollte das Land seine Bedingungen ablehnen. Der Iran entgegnete, im Falle eines Angriffs auf seine zivile Infrastruktur werde man Kraftwerke und Meerwasserentsalzungsanlagen in den benachbarten arabischen Golfstaaten attackieren.
Vance auf dem Weg nach Pakistan
Trotz der anfänglichen Absage des Iran liefen die Vorbereitungen für die Gespräche in Pakistan auf Hochtouren. In der Hauptstadt Islamabad seien fast 20.000 Angehörige der Sicherheitskräfte im Einsatz, sagten Regierungs- und Sicherheitsvertreter. Trump sagte der Zeitung „New York Post“ am Nachmittag Mitteleuropäischer Sommerzeit, Vizepräsident JD Vance und eine US-Delegation würden innerhalb weniger Stunden in Islamabad eintreffen. Vance hatte bereits vor einer Woche die erste Gesprächsrunde geleitet, an der auch Trumps Gesandter Steve Witkoff und sein Schwiegersohn Jared Kushner teilnahmen. Der pakistanische Vermittler, Feldmarschall Asim Munir, hatte Trump nach Angaben aus pakistanischen Sicherheitskreisen mitgeteilt, die Blockade iranischer Häfen sei ein Hindernis für die Gespräche. Trump habe versprochen, diesen Hinweis zu prüfen.
Der iranische Parlamentspräsident Mohammad Bagher Ghalibaf, der die iranische Verhandlungsdelegation leitet, hatte am Samstag von Fortschritten gesprochen. Bei den Themen Atomprogramm und Straße von Hormus lägen die Positionen jedoch noch weit auseinander. Europäische Verbündete befürchten, dass das US-Verhandlungsteam auf ein schnelles, oberflächliches Abkommen dringen könnte, das monate- oder jahrelange, technisch komplexe Folgegespräche nach sich ziehen würde.
Seit Beginn des Krieges am 28. Februar wurden Tausende Menschen durch US-israelische Angriffe im Iran sowie bei einer parallel verlaufenden israelischen Invasion im Libanon getötet. Auch dort gilt derzeit eine Waffenruhe. Der Iran hatte auf die Angriffe mit Raketen und Drohnen gegen Israel und nahe gelegene arabische Länder reagiert, in denen sich US-Stützpunkte befinden.
Source: n-tv.de