„Katastrophale Folgen“? So plant die EU z. Hd. den möglichen Kerosin-Notfall

Wird das Kerosin knapp? Und, falls ja, was passiert dann? Bislang bemühen sich die zuständigen Institutionen um Optimismus. Für den Fall einer Mangellage aber erarbeitet die EU einen Notfallplan. Und der könnte für Urlaubsreisende unangenehm werden.

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Trotz der Sorgen über Kerosinmangel infolge des Iran-Krieges gibt es in Europa nach Einschätzung der ​EU-Kommission keine Hinweise auf umfangreiche Flugausfälle im Sommer. EU-Verkehrskommissar Apostolos Tzitzikostas gab am Dienstag in ⁠Brüssel zugleich einen Ausblick auf die für Mittwoch angekündigten Empfehlungen der Behörde zu Vorkehrungen gegen eine Energie- und Kerosinkrise. Wenn die Blockade der für Ölexporte per Schiff wichtigen Straße von Hormus nicht aufgehoben werde, hätte das „katastrophale Folgen“ für Europa und die ganze Welt, sagte der ⁠Kommissar.

Die „Wirtschaftswoche“ berichtet derweil über einen europäischen Notfallplan nach Vorbild des Gas-Notfallplans, der wegen Russlands Überfall auf die Ukraine beschlossen wurde. Dem Magazin zufolge, dem ein Entwurf vorliegt, soll dafür unter anderem eine Bestandsaufnahme der aktuellen Vorräte erfolgen, inklusive zukünftiger Verfügbarkeit. Auch sollen demnach Raffineriekapazitäten erfasst werden, um volle Produktionsauslastung zu gewährleisten, zudem wolle die EU gemeinsam Kerosin einkaufen und vorübergehend regulatorische Vorgaben lockern. Auch sei nicht auszuschließen, dass im Falle einer Notlage Flugverbindungen priorisiert würden, sodass es bei bestimmten Verbindungen zu Streichungen kommen könnte.

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Nach ​Einschätzung internationaler Organisationen ‌könnte Flugbenzin in Europa wegen der Lieferausfälle von den Golf-Staaten ab Ende Mai oder Anfang Juni knapp werden. Gut ein Fünftel des Treibstoffbedarfs ist davon abhängig. Für die kommenden Wochen und Monate seien keine weitreichenden Ausfälle zu erwarten, erklärte Tzitzikostas.

Europa verfüge über Notreserven an Kerosin, die jedoch nur im absoluten Bedarfsfall und unter voller ‌Transparenz freigegeben würden, um Wettbewerbsverzerrungen auf nationaler Ebene zu ⁠vermeiden. Es gelte, mehr ​Kerosin aus alternativen Bezugsquellen wie den USA zu beziehen. Europa müsse sich vor ⁠allem durch ein schnelleres Hochfahren der Produktion nachhaltigen Flugkraftstoffs (SAF) auf Perspektive unabhängiger von Öl machen.

Mit Blick auf mögliche Engpässe kündigte der Kommissar ‌für Mittwoch Leitlinien zu Start- ⁠und Landerechten (Slots) ‌der Airlines an ​Flughäfen, zur ⁠Betankungspraxis sowie zu Fluggastrechten ​an, wie bereits von Reuters berichtet. Flugausfälle aufgrund von Treibstoffmangel ‌dürften ​demnach als außergewöhnliche Umstände gewertet werden, sodass Airlines ‌ihre Fluggäste ‌nicht entschädigen müssten.

Nationaler Sicherheitsrat hält Kerosin-Vorrat für „absehbare Zeit“ für ausreichend

Auch der Nationale Sicherheitsrat hat sich mit der Energiekrise befasst und ist der Deutschen Presse-Agentur zufolge zu dem Schluss gekommen, dass es derzeit keine Versorgungsnotlage für Treibstoff gibt. Die Vorräte gerade an Kerosin sind demnach als „für eine absehbare Zeit“ ausreichend erachtet worden, erfuhr die dpa aus Teilnehmerkreisen. Es gebe außerdem „Raffinerieoptionen“, die eine schnelle Reaktion auf möglicherweise auftretende Lücken ermöglichten, hieß es nach der Sitzung, die bereits am Montagabend stattfand.

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Man sei sich allerdings der „angespannten Situation“ bewusst und werde die Lage weiter intensiv beobachten. Dazu werde die bereits bestehende „Task Force Energieversorgung“ ausgeweitet und in einen Staatssekretärsausschuss umgewandelt.

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Das Gremium aus Vertretern der Bundesregierung, Sicherheitsbehörden und Länder beschloss auch ein nicht näher definiertes „Vorgehen gegen die russische Schattenflotte“. Damit sind Tanker und Frachtschiffe gemeint, die Russland zum Vermeiden von Sanktionen etwa beim Öltransport einsetzt und die auch in deutschen Hoheitsgewässern unterwegs sind.

Die EU warnt schon länger davor, dass Schiffe der Schattenflotte auch als Plattform für den Start von Drohnen für Stör- oder Spionageangriffe genutzt werden können. Einzelheiten des Vorgehens gegen die Flotte in deutschen Hoheitsgewässern werden aus Sicherheitsgründen nicht kommuniziert.

Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) hatte die Sitzung des Nationalen Sicherheitsrats am Sonntagabend auf der Hannover Messe überraschend angekündigt. „Unser Ziel ist dabei klar: Die deutsche Wirtschaft und die Bürger müssen sich darauf verlassen können, dass die Versorgung mit zentralen Produkten wie etwa Diesel, Benzin, Flugbenzin gesichert bleibt“, hatte er gesagt.

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Die schwarz-rote Bundesregierung hatte den Nationalen Sicherheitsrat im vergangenen Jahr gegründet, um auf Krisen und Bedrohungen aller Art schnell und effektiv reagieren zu können. Neben Mitgliedern der Bundesregierung und Sicherheitsbehörden nahmen an der Sitzung auch einzelne Ministerpräsidenten der Länder teil.

säd mit Reuters/dpa

Source: welt.de

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