Kassenärzte wollen freiwillige Leistungen dieser Krankenkassen streichen

Stand: 23.02.2026 • 09:11 Uhr

Kassenärzte-Chef Gassen will freiwillige Leistungen der gesetzlichen Krankenkassen kürzen. Durch die Streichung von Zahnreinigungen oder Homöopathie aus dem Leistungskatalog könnte eine Milliarde Euro eingespart werden.

In der Debatte um Einsparungen im Gesundheitssystem hat Kassenärztechef Andreas Gassen die komplette Abschaffung der häufig für Marketingzwecke genutzten freiwilligen Leistungen der gesetzlichen Krankenkassen gefordert. Dazu zählen etwa teils umstrittene Behandlungsmethoden wie Homöopathie, Anthroposophie oder Phytotherapie, aber auch professionelle Zahnreinigungen.

„Wenn nicht genug Geld für den Leistungskatalog der gesetzlichen Krankenversicherung da ist und gespart werden muss, sind ‚Nice to have‘-Leistungen als Erstes zu streichen“, sagte er den Zeitungen des Redaktionsnetzwerks Deutschland.

Die KBV nimmt als Dachverband der bundesweit 17 regionalen Kassenärztlichen Vereinigungen eine wichtige Rolle im System der gesetzlichen Krankenversicherung ein. Sie organisiert die flächendeckende wohnortnahe ambulante Gesundheitsversorgung und vertritt die Interessen der Vertragsärztinnen und -ärzte sowie Vertragspsychotherapeutinnen und -therapeuten.

Nach eigener Aussage der KBV erhalten rund 75 Millionen gesetzlich Krankenversicherte deutschlandweit die gleiche medizinische Betreuung. Die KBV und die Kassenärztlichen Vereinigungen organisieren die Rahmenbedingungen in den Praxen und sorgen dafür, dass die Arbeit durch die Ärzte und Psychotherapeuten geleistet werden kann.

Neben dem sogenannten Sicherstellungsauftrag ist die Aufgabe der KBV vor allem die politische Interessenvertretung der über 189.000 Vertragsärzte und -psychotherapeuten auf Bundesebene. Wenn es um Gesetzgebungsverfahren, gesundheitspolitische Entscheidungen oder um die Finanzierung der ambulant erbrachten Leistungen geht, bringt die KBV als Lobbyverband die Interessen der niedergelassenen Ärztinnen und Ärzte ein.

Gassen: Keine Ärztehonorare kappen

Der Vorsitzende der Kassenärztlichen Bundesvereinigung (KBV) sagte mit Blick auf Forderungen der Krankenkassen, die Honorare der Ärzte zu kappen: „Es kann doch nicht sein, dass Kassen die Vergütung für Leistungen, die durch den Gemeinsamen Bundesausschuss beschlossen worden sind, kürzen wollen und gleichzeitig hohe Summen für werbewirksame Dinge bezahlen.“

Das mögliche Einsparvolumen durch eine komplette Abschaffung der freiwilligen Leistungen bezifferte Gassen auf knapp eine Milliarde Euro pro Jahr. Gassen bezog sich auf die sogenannten Satzungsleistungen, die über das allgemeine Leistungsniveau der gesetzlichen Krankenversicherung hinausgehen und von Kasse zu Kasse unterschiedlich sind.

Medizinischer Nutzen umstritten

Zudem zahlen viele Krankenkassen Zuschüsse zu Gesundheitskursen oder für den Kauf von Fitnesstrackern. Kritiker dieser Praxis werfen den Kassen vor, mit solchen Angeboten, deren medizinischer Nutzen angezweifelt wird, Geld der Solidargemeinschaft für eigene Werbezwecke einzusetzen.

Über Reformen in der deutschen gesetzlichen Krankenversicherung wird derzeit kontrovers diskutiert. Hintergrund sind nicht zuletzt massive Defizite der gesetzlichen Krankenkassen. Bundesgesundheitsministerin Nina Warken (CDU) kündigte für den Sommer ein milliardenschweres Sparpaket an.

Parallel laufen Debatten um weitergehende Veränderungen bei Ausgaben und Einnahmen – darunter die Verbreiterung der Beitragsbasis sowie Leistungskürzungen.

Source: tagesschau.de