Karl Schlögel gilt als einer der besten Kenner der Geschichte Osteuropas, zuletzt hat er im Buch „American Matrix – Besichtigung einer Epoche“ auch über die USA geschrieben. Im Oktober 2025 wurde ihm der Friedenspreis des Deutschen Buchhandels verliehen.
DIE ZEIT: Herr Schlögel, eines Ihrer bedeutendsten Bücher heißt Im Raume lesen wir die Zeit. Was können wir aus den Großraumfantasien von Donald Trump über unsere Zeit herauslesen?
Karl Schlögel: Die Ereignisse überschlagen sich gerade, darum ist es sehr schwer, Abstand zu halten oder gar die geschichtsphilosophische Dimension dessen zu erfassen, was in der Welt geschieht. Wie kann man als Interpret da mithalten? Was ist die richtige Lesart? Es scheint mir, als müssten wir grundsätzlich neu darüber nachdenken, wie sich Geschichte ereignet. Aber wie geht das in einem Ton, der weder prophetisch ist noch ein Kassandraruf, der sich aber dennoch einlässt auf das Dunkel dieses weltgeschichtlichen Augenblicks, den wir gerade erleben?