Kanzler Merz und Brasiliens Präsident Lula wollen Zusammenarbeit vertiefen

Stand: 20.04.2026 • 21:24 Uhr

Den Rundgang auf der Hannover Messe absolvierten sie getrennt, inhaltlich demonstrierten Kanzler Merz und Brasiliens Präsident Lula aber Einigkeit: In politisch turbulenten Zeiten sei Zusammenarbeit wichtig – auch wirtschaftlich.

Von Bertil Starke, NDR Hannover

Hannover soll der Startschuss für ein noch engeres Bündnis beider Länder sein. Diese Botschaft ist Bundeskanzler Friedrich Merz und Brasiliens Präsident Luiz Inácio Lula da Silva auf der Pressekonferenz nach den Regierungsgesprächen wichtig. Die weltgrößte Industriemesse – die Hannover Messe – ist der Grund dafür, dass sich beide Staatschefs in der niedersächsischen Landeshauptstadt treffen.

Brasilien ist dort in diesem Jahr Partnerland. Bei den Gesprächen zwischen Kanzler Merz und Brasiliens Präsident Lula dominiert die Wirtschaftspolitik. Es ist ein Gipfel in turbulenten Zeiten.

Seltene Erden für die Industrie in Deutschland

Genau das betont der Kanzler: „Die Nähe zwischen unseren Ländern ist notwendiger denn je – in einer Zeit, in der sich die Weltordnung so grundlegend ändert. Wir wollen den gegenseitigen Nutzen stärken und wir wollen ein Netz starker und gleichgesinnter Partner sein“, so Merz.

Diese Partnerschaft soll Deutschland bei Seltenen Erden unabhängiger von Asien machen. Brasilien verfügt über große Mengen der für Elektro-Mobilität und Windkraft dringend benötigten Metalle.

Hoffnung auf mehr Investitionen

Beim Einsatz von synthetischen Kraftstoffen bescheinigt der Bundeskanzler dem lateinamerikanischen Land einen großen Vorsprung: „Die Tatsache, dass Brasilien mittlerweile Biodiesel in großen Umfang, serienmäßig für den Alltagsgebrauch produziert und dass Ethanol, als Ersatz für Benzin, in großem Umfang alltagstauglich produziert wird, zeigt, was möglich ist“, zeigt sich Merz sichtlich beeindruckt.

Präsident Lula hört all das gerne. Er wirbt für mehr deutsche Investitionen in seinem Land. Ab dem 1. Mai sind die deutlich leichter möglich. Dann tritt das Mercosur-Abkommen zwischen der EU und Südamerika vorläufig in Kraft: „Nach 25 Jahren Verhandlungen haben unsere Regionen endlich Ja zur Freihandelszone gesagt. In der leben mehr als 720 Millionen Menschen. Damit zeigen wir der Welt, dass es immer noch möglich ist, den Weg zum gemeinsamen Wohlstand einzuschlagen.“

Kritik am Iran-Krieg

Lula nutzte seinen Auftritt in Hannover auch, um die USA und Israel für ihre militärischen Einsätze im Nahen Osten zu kritisieren: „Das braucht die Welt nicht. Sie braucht mehr Dialog, mehr Vernunft, mehr Bildung – das ist es was die Welt braucht“, so der brasilianische Präsident.

Lula hofft aber auf ein Treffen mit Donald Trump und Friedrich Merz im Sommer. Im US-amerikanischen New Jersey. Denn dort findet das Finale der Fußball-Weltmeisterschaft statt. Wenn es nach Lula und Merz geht, treffen dort dann Brasilien und Deutschland aufeinander.

Der traditionelle Messerundgang verlief anders als geplant: Merz und Lula nahmen kurz nach dem Eröffnungsstatement am Stand des Partnerlandes Brasilien getrennte Wege.

Hannover Messe

„Von der Fischbrötchenmesse zur Weltleitmesse der Industrie“ – so die Selbstbeschreibung der Hannover Messe. Als die Deutsche Messe 1947 in der Nachkriegszeit in Hannover gegründet wurde war der Erfolg der ersten Exportmesse im gleichen Jahr nicht gewiss. Mittlerweile ist die Hannover Messe seit fast 80 Jahren ein wichtiger Treffpunkt für viele Industriezweige aus der ganzen Welt. Nach Eigenauskunft wollen die 3.000 Aussteller im Jahr 2026 etwa 123.000 Besucher vor Ort anlocken.

Source: tagesschau.de