Kampf gegen die Taliban: Krieg mit Pakistan verschärft humanitäre Lage in Afghanistan

Der Krieg zwischen Afghanistan und Pakistan verschärft die angespannte humanitäre Lage in Afghanistan. „Der Konflikt hat verheerende Folgen für Kinder und ihre Familien, von denen viele schon vorher auf humanitäre Hilfe angewiesen waren,“ sagte Arshad Malik, Regionaldirektor für Asien bei Save the Children. Die Organisation spricht von 68.000 vertriebenen Kindern infolge des Konflikts. „Zehntausende Kinder haben alles verloren, was ihnen Stabilität und Sicherheit gab“, sagte Malik.

Die Kämpfe hatten Ende Februar begonnen. Die Regierung in Islamabad wirft den islamistischen Taliban in Kabul vor, Terroristen zu beherbergen, die in Pakistan Anschläge verüben. Die Regierung in Kabul bestreitet das.

Zuletzt hatten sich die Kämpfe auf die Grenzregion beschränkt. In der Nacht auf Freitag hatte Pakistans Luftwaffe jedoch auch wieder Ziele im Landesinneren Afghanistans angegriffen. Seit dem 26. Februar seien infolge von Kämpfen in Afghanistan mindestens 75 Zivilisten getötet und 193 verletzt worden, hieß es am Freitag von der UN-Hilfsmission für Afghanistan (Unama).

Durch Irankrieg droht Verschärfung der Versorgungslage

Bereits im vergangenen Jahr hatte ein schweres Erdbeben die bergige Grenzregion im Osten Afghanistans verwüstet. Wegen der Kampfhandlungen mussten Hilfsorganisationen dort nun zeitweise ihre Arbeit einstellen.

Veronika Staudacher von Caritas International in Kabul sorgt sich um die Lage in Flüchtlingslagern in der Region. Menschen, die durch das Erdbeben ihr Obdach verloren haben, würden jetzt erneut vertrieben und müssten in behelfsmäßigen Lagern ausharren. „Jetzt ist zwar Frühling hier, aber oben in den Bergen ist es natürlich immer noch trotzdem kalt und schwierig. Es gibt keine Toiletten, es gibt kein sauberes Wasser, es gibt keine Lebensmittelversorgung.“

Aus Sicht von Hilfsorganisationen kommt der Irankrieg erschwerend hinzu. Pakistan hatte im Oktober Grenzübergänge nach Afghanistan gesperrt. Die Nachschubroute über den Iran könnte jetzt mit dem Krieg dort ebenfalls gefährdet sein. „Das betrifft ja nicht nur Lebensmittel und Treibstoff und so weiter, sondern beispielsweise auch Medikamente, die wir sonst nirgendwo herkriegen,“ sagte Staudacher der Nachrichtenagentur dpa.

Für die Führung in Kabul sei dies eine schwere Lage mit einem Krieg an mehreren Grenzen, sagt Elizabeth Threlkeld, Südasien-Expertin bei der US-Denkfabrik Stimson Center. „Das erschwert und verringert ihren Handlungsspielraum.“

Die afghanische Seite hatte bereits früh im aktuellen Konflikt auf Dialog gedrängt. Ein Sprecher des chinesischen Außenministeriums schrieb zuletzt auf X, dass Chinas Afghanistan-Sondergesandter zwischen Pakistan und Afghanistan pendele, um den Dialog zu fördern.

Auslöser der Eskalation war ein Terroranschlag in der pakistanischen Hauptstadt Islamabad, für den die Regierung die Taliban in Afghanistan verantwortlich machte. Die pakistanische Regierung kündigte an, dass die Einsätze so lange fortgesetzt würden, bis Afghanistan nachweisbare Schritte unternehme, um pakistanische Taliban und andere Extremisten unter Kontrolle zu bekommen. Der Konflikt beendete eine im Oktober vermittelte Waffenruhe. Bereits damals standen die Nachbarländer kurz vor einem Krieg.

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