Nach mehrtägigen Kämpfen gegen Regierungstruppen in Aleppo haben sich die kurdisch dominierten Demokratischen Kräfte Syriens (SDF) zu einem Abzug aus der Großstadt bereit erklärt. „Wir haben eine Einigung erzielt, die zu einer Waffenruhe geführt hat“, teilten die SDF mit. Demnach würden Zivilisten und Kämpfer die betreffenden Stadtteile verlassen.
Die syrische Nachrichtenagentur Sana berichtete, dass „Busse mit den letzten Mitgliedern der SDF“ den Stadtteil Scheich Maksud in Aleppo verlassen hätten und nun in den Norden des Landes fahren würden. Das berichtete auch der staatliche Fernsehsender Al Ekhbariya. Zuvor hatte die syrische Armee ihren Einsatz in der letzten kurdischen Hochburg der Stadt für beendet erklärt.
Schwerste Kämpfe seit Sturz Assads
Truppen der islamistischen Übergangsregierung in Damaskus und kurdische Kämpfer lieferten sich seit Dienstag Gefechte in Aleppo. Beide Seiten gaben sich gegenseitig die Schuld an der Gewalteskalation. Zuletzt hatte das syrische Militär eine Waffenruhe ausgerufen, diese mündete aber in weiteren Auseinandersetzungen. Hintergrund ist ein im März geschlossenes Abkommen.
Seit dem Sturz von Machthaber Baschar al-Assad wird das im Norden Syriens gelegene Aleppo von der neuen Übergangsregierung kontrolliert, nur die Stadtviertel Scheich Maksud und Aschrafijeh stehen unter Kontrolle kurdischer Einheiten. Laut dem Abkommen sollten die Institutionen der Kurden bis Ende 2025 in die syrische Zentralregierung und Armee integriert werden. Zudem hatten die kurdischen Kämpfer zugestimmt, sich aus den beiden Stadtvierteln in Aleppo zurückzuziehen. Beides wurde jedoch wegen Meinungsverschiedenheiten nicht umgesetzt.
Bei den Kämpfen handelt es sich um die schwersten seit dem Sturz Assads. Mehr als 21 Menschen wurden getötet. Nach Angaben von Gouverneur Assam al-Gharib flohen bis Samstag rund 155.000 Bewohner der betroffenen, überwiegend kurdischen Viertel Scheich Maksud und Aschrafijeh in andere Stadtteile oder aufs Land.