Zum 27. Januar, dem Gedenktag der Befreiung des Vernichtungslagers Auschwitz, hat der Bundestag eine kleine, aber sehenswerte Ausstellung eröffnet. Sie erzählt von jüdischen Parlamentariern nach 1945, also von Frauen und Männern, die sich tatsächlich bereits 1949 in den ersten Bundestag hatten wählen lassen und sich dort dem Aufbau der jungen Bundesrepublik verschrieben, obwohl sie als Juden im Plenum neben ehemaligen NS-Bonzen, SS-Leuten, Parteigenossen oder Mitläufern saßen.
Es waren nur wenige, die das auf sich nehmen mochten, etwa die Sozialdemokratin Jeanette Wolff (1888–1976), gläubige Jüdin. Oder der Christdemokrat Erik Blumenfeld (1915–1997), der aus dem protestantischen Hamburger Bürgertum stammte. Er hatte von den Nazi-Rassegesetzen als „Mischling ersten Grades“ eine jüdische Identität verordnet bekommen und begriff sie nun, in der frühen Bundesrepublik, auf seine Weise als Verpflichtung: Ähnlich wie Jeanette Wolff, Wilhelm Dröscher, Peter Blachstein oder Jakob Altmaier engagierte er sich für jene Themen, die für ein jüdisches Leben in Deutschland von größter Bedeutung waren. Dazu zählte der Lastenausgleich, beschönigend „Wiedergutmachung“ genannt, die Rückübertragung von Eigentum oder die Frage einer Nichtverjährung von Mord.