Judi Dench: „Diese Zeilen sind in meine Mitte hineingebohrt“ 

DIE ZEIT: Frau Dench, Shakespeare begleitet Sie schon Ihr Leben lang. Wie sind Sie ihm das erste Mal begegnet? 

Judi Dench: Ich muss etwa acht oder neun Jahre alt gewesen sein, als mein älterer Bruder Peter in einer Schulaufführung von Macbeth mitspielte und in der Rolle des Königs Duncan sagte: „What bloody man is that?“ (Dt.: Welch blut’ger Mann ist dies?) Ich dachte da, bei Shakespeare wird geflucht, das ist ja absolut wundervoll! 

ZEIT: Warum hat ausgerechnet dies bei Ihnen so viel ausgelöst? 

Dench: Vom Inhalt des Stückes verstand ich damals wenig, aber ich glaube, ich spürte, dass die Sprache von Shakespeare, ihr Rhythmus, wie ein Herzschlag ist. Später als Schauspielerin konnte es vorkommen, dass ich den Text vergaß und ins Stocken geriet. Da sagte ich einfach bloß die Silben auf. Bei Shakespeare kam ich manchmal damit durch. 

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