Verkehrsminister Schnieder hat Großes vor: Er will die Bahn pünktlicher machen – mit einer „Taskforce“ und einem Paket aus 22 konkreten Maßnahmen. Ein Vorschlag: Sogenannte Jokergleise sollen volle Bahnhöfe entlasten.
Bundesverkehrsminister Patrick Schnieder will die Deutsche Bahn mit einem Maßnahmenbündel zuverlässiger und pünktlicher machen. Eine eigens dafür anberaumte „Taskforce“ seines Ministeriums habe sich zusammen mit der Branche auf 22 konkrete Maßnahmen verständigt, die das System kurzfristig stabilisieren sollen, sagte der CDU-Politiker.
Erstes Ziel ist es, stark belastete Bahnknoten zu entlasten. Das sind wichtige Punkte, wo sich beispielsweise viele Hauptstrecken kreuzen. Aber gerade dort sind viele Routen an ihrer Kapazitätsgrenze. Das führt dazu, dass selbst kleine Störungen große Auswirkungen haben und Verspätungen nach sich sich ziehen.
Von Verbänden kam grundsätzlich Zuspruch, aber auch die Warnung, dass die Maßnahmen nicht zu einem geringeren Angebot führen dürften.
Zusatzgleise und flexible Abfahrten
Eine weitere Idee zum Gegensteuern: sogenannte Jokergleise. Das sollen Gleise in Bahnhöfen sein, die freigehalten werden, um auf Störungen flexibler reagieren zu können. Zusätzliche Gleise könnten kurzfristig Engpässe entschärfen, hieß es aus dem Verkehrsministerium.
Auch „Flex-Abfahrten“ sind geplant: Züge sollen künftig leicht vor der offiziell angegebenen Zeit abgefertigt werden, beispielsweise eine Minute, um pünktlicher loszufahren.
Zudem sollen Streckensperrungen wegen Menschen und Tieren im Gleis künftig vermieden werden. Statt Gleise komplett zu sperren, sollen die Züge nach Möglichkeit langsamer und auf Sicht fahren.
Verbessert werden soll auch die Kommunikation mit Reisenden, etwa mit mehr Personal an den Bahnsteigen, das dafür sorgen soll, dass die Reisenden am richtigen Gleis und an der richtigen Stelle warten. Dies würde den Ein- und Ausstieg beschleunigen und so verspäteten Abfahrten vorbeugen.
Maßnahmen zielen auf kurzfristige Effekte
Die Vorschläge zielen bewusst auf kurzfristige Effekte. Denn die Probleme der Bahn sind seit Jahren bekannt und tief verwurzelt. Auch das Vertrauen in den Verkehrsträger Bahn ist spürbar gesunken. Erst vergangenen September hatte Schnieder die Pünktlichkeitsziele der Bahn zurückgeschraubt.
Eines der Grundprobleme ist der über Jahre gewachsene Sanierungsstau. Baustellen sind notwendig, um das Netz zu modernisieren, verschärfen aber die Lage und sorgen für weitere Verspätungen im Fahrplan.
Ein weiteres strukturelles Problem ist der Mischverkehr: Fern-, Regional- und Güterzüge teilen sich vielerorts dieselben Gleise. Gerät ein Zug in Verzug, kann das schnell eine Kettenreaktion auslösen.
Source: tagesschau.de